de Seit über 40 Jahren helfen Freiwillige den Landwirten in der warmen Jahreszeit. Eine wertvolle Unterstützung

FREIZEIT UND AGROTOURISMUS - 2022

IN KÜRZE

Ein Augenmerk auf die Neuheiten im Bereich Freizeit und Agrotourismus

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FOKUS

Seit über 40 Jahren helfen Freiwillige den Landwirten in der warmen Jahreszeit. Eine wertvolle Unterstützung

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Swisstainable: Ein neues Label von Schweiz Tourismus bezeichnet die nachhaltigsten Destinationen.

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Swisstainable: Reisen kann also wirklich nachhaltig sein

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In Morges verlangsamt man den Schritt ganz ohne Schuldgefühl

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Im Entlebuch ist die Nachhaltigkeit von der Unesco anerkannt

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DOSSIER

Charmey verpasst es nicht, seine Region aufzuwerten

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Eine spektakuläre Reise durch die Alpen

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Königliche Aussichten im Trient-Tal

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Tauchen Sie ein in die Postkartenkulisse des Berner Oberlandes

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Die zauberhafte Perle des Tessins

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«Vanlife», Inspiration für Nomaden

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PRAKTISCHES

«Vanlife», Ideen für Nomaden und die Reize des Einfachen

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So sind Sie für die Wanderung gut gerüstet

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BÜCHER

Eine Reise durch die Seiten

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Unsere guten Adressen in den Kantonen Appenzell, Bern und Freiburg

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ADRESSEN

Unsere guten Adressen in den Kantonen Graubünden, Jura, Neuenburg, Schwytz und Uri

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ADRESSEN

Unsere guten Adressen in den Kantonen Wallis, Waadt und Zug

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FOKUS

Die Landwirte können unter anderem auf die Hilfe von Freiwilligen zählen, die das Heu von Hand mähen.

© FOTOS CARITAS SCHWEIZ/ALLE RECHTE VORBEHALTEN

DIE RECHTE HAND DER BERGBAUERN

 

Seit der Covid-Pandemie wohnen viele Freiwillige, die auf der Suche nach frischer Luft, Natur und Sinn sind, bei Bauernfamilien, um ihnen während der Sommermonate zu helfen. Für die Organisatoren dieser Hilfsprogramme besteht die Herausforderung darin, die Welle der Solidarität aufrechtzuerhalten.

Die Familie Terrettaz, die in Sembrancher VS Eringerkühe züchtet, bereitet sich auf den Sommer, die arbeitsintensivste Zeit im Jahr, vor. Trotz dem Druck sehen Samuel und Stéphanie dieser Zeit seit fünf Jahren gelassen entgegen. Von Juni bis September empfängt das Paar mindestens zwei Freiwillige pro Woche, die sie auf der Alp, bei der Pflege der Weiden, beim Heuen oder auch im Haushalt unterstützen. Diese Unterstützung wird im Rahmen des Programms Caritas-Bergeinsatz angeboten, das vor über 40 Jahren in der Deutschschweiz nach schweren Unwettern in den Alpenregionen ins Leben gerufen wurde. Ziel des Programms ist es, Bergbauern, die mit der Arbeit überfordert sind oder sich in einer schwierigen Situation befinden, durch den Aufbau eines breiten Netzwerks von Freiwilligen zu unterstützen. «Beim ersten Mal hatte ich mir beim Alpaufzug einen Arm gebrochen und wir konnten uns keinen Angestellten leisten. Ich wusste nicht so recht, worauf ich mich einliess, aber schließlich lief alles sehr gut», erzählt Stéphanie Terrettaz. «Im Jahr darauf brachte ich mein fünftes Kind zur Welt. Da waren wir froh, dass wir zusätzliche Unterstützung bekamen. Jetzt nehmen wir jeden Sommer am Caritas-Programm teil.»

Im Laufe von mehr als vier Jahrzehnten stieg die Zahl der registrierten Freiwilligen stetig an, mit einem Höhepunkt im Jahr 2020, als der erste Lockdown beendet war. In diesem Jahr wurden 90 Prozent aller Hilfsanträge erfüllt. Das heisst, die Landwirte konnten fast den gesamten Zeitraum jemanden auf dem Betrieb haben. In den früheren Jahren konnten nur 70 Prozent abgedeckt werden. «Das ist eine tolle Solidaritätsbekundung», freut sich Jessica Pillet, die bei Caritas für das Programm zuständig ist. Bis 2021 haben sich landesweit etwa 130 Familien und 1200 Freiwillige gemeldet. «Die Herausforderung besteht darin, diesen Schwung beizubehalten und in Zukunft möglichst viele Menschen dafür zu motivieren.»

Seit Beginn der Gesundheitskrise sind eine Zunahme der Anmeldungen und ein echter Wunsch, der Bergbevölkerung zu helfen, zu verzeichnen.

VERLETZLICHE BEVÖLKERUNGSGRUPPE

Auf der Plattform www.montagnards.ch können sich alle gesunden, volljährigen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz oder in der EU anmelden. Während rund 30 Prozent der Freiwillige ausländischer Herkunft waren, vor allem aus Deutschland, ist der Anteil der Schweizer Teilnehmer seit Beginn der Pandemie gestiegen. Zu den häufigsten Profilen gehören Stadtbewohner, Studenten in den Ferien oder im Sabbatical, junggebliebene Rentner sowie Personen, die in Büros arbeiten. «Letztere haben das Bedürfnis, sich im Freien körperlich zu betätigen und sich nützlich zu machen, und zwar umso mehr während der Pandemie», betont Jessica Pillet.

Genau das ist der Fall bei Grégory Chapuis, Verwaltungsangestellter in Gland (VD), der in den letzten beiden Sommern einer Freiburger Familie geholfen hat. «Wegen des Coronavirus hatte ich keine Ferien geplant und ich wusste, dass den Bauern Arbeitskräfte fehlten. Und vor allem liebe ich Käse», gesteht der 30-Jährige mit einem Lächeln, der auf einer Alp oberhalb von Charmey FR beim Melken und bei der Weidepflege half. «Wir standen um vier Uhr morgens auf und beendeten die Arbeit bei Einbruch der Dunkelheit. Die frische Luft und die praktische Beschäftigung haben mir gutgetan. Man weiss am Abend, warum man müde ist!»

 

REICHER AUSTAUSCH

Heuen, Käse salzen und wenden, Kühe von einer Weide auf die andere treiben, Milchkannen reinigen, Kinder betreuen oder Mahlzeiten zubereiten: Je nach Art der Bewirtschaftung und Grösse des Betriebs können diese Aufgaben von den Freiwilligen übernommen werden. «Die Idee ist, die Familien im Alltag zu entlasten, damit sie mehr Zeit haben, um andere Arbeiten zu erledigen.» Derzeit befindet sich die Mehrheit der angemeldeten Bauernhöfe in der Deutschschweiz, während es in der Romandie etwa 20 sind. Das Programm soll 2022 auch ins Tessin expandieren.

SICH FÜR DEN BERGWALD ENGAGIEREN

In anderen Teilen der Schweiz beteiligen sich immer mehr Freiwillige am Bergwaldprojekt. Auch hier gab es im Jahr 2020 einen Peak von Freiwilligen, die sich gemeldet haben. Die 1987 gegründete Stiftung mit Sitz in Trin GR fördert die Erhaltung des Waldes und der Kulturlandschaft in den Alpengebieten. Jedes Jahr werden von März bis November etwa 150 Arbeitswochen organisiert, an denen 2500 Teilnehmer mitwirken. In Blonay VD, Naters VS oder Val Müstair GR laufen mehrere Projekte, bei denen z. B. Bäume gepflanzt, Zäune erstellt, um das Wild von bestimmten Baumarten fernzuhalten, oder Alpen entbuscht werden. «Bergwälder haben eine Schutzfunktion gegen Naturgefahren wie Lawinen und Hochwasser und sind ein wertvoller Lebensraum für die Biodiversität. Dieses Erbe muss in Zeiten der Klimaerwärmung gepflegt und bewahrt werden, was aufgrund des Zeit- und Ressourcenmangels der Förster nicht immer möglich ist», erklärt Projektleiter Yannick Pulver. Freiwillige können sich online auf der Website der Stiftung anmelden. Das Bergwaldprojekt gibt es auch in Deutschland, Spanien und Österreich.

MEHR INFOS www.bergwaldprojekt.ch

Zwar wird derzeit ein Pool von Personen aufgebaut, die für Nothilfe zur Verfügung stehen können, doch die Anmeldungen erfolgen in der Regel im Voraus für eine durchschnittliche Dauer von einer Woche. Bei einem 100-Prozent-Einsatz werden die Teilnehmer vor Ort verpflegt und untergebracht, damit sie im Rhythmus ihrer Gastgeber und der Arbeit auf dem Bauernhof leben können. «Man sollte es nicht als Urlaub betrachten, sondern eher als eine Zeit des Lernens und des Teilens», meint Jessica Pillet. Laut den von der Caritas zur Verfügung gestellten Fragebögen liegt die Zufriedenheitsrate bei durchschnittlich 95 Prozent. «Wir bekommen sehr gute Rückmeldungen sowohl von den Freiwilligen als auch von den Familien. Oftmals wiederholen sie die Erfahrung in den folgenden Jahren.»

Aber ist es für die Bauern wirklich von Vorteil, Menschen aufzunehmen, die mit der Landwirtschaft nicht vertraut sind? «Es stimmt, dass man sich bemühen muss, gut zu erklären und aufmerksam zu sein, was ziemlich anstrengend sein kann. Aber es ist auch ein wertvoller Austausch, der den Blick in eine andere Lebenswelt öffnet», sagt die Bäuerin Stéphanie Terrettaz. Das tue vor allem in einer herausfordernden und arbeitsreichen Zeit gut. Es seien schon echte Freundschaften entstanden.

 

DIE ALPEN PFLEGEN

«Mir selbst hat es gezeigt, wie hart die Landwirte arbeiten, und ich habe begonnen ihre Arbeit noch mehr wert zu schätzen. Seitdem kaufe ich die Produkte bewusster ein», berichtet Grégory Chapuis. Neben den zusätzlichen Arbeitskräften will Caritas-Bergeinsatz auch Burn-outs, Arbeitsunfällen und Isolation vorbeugen. «Die Bauern gewinnen so Abstand zu ihrer Tätigkeit. Das ist eine echte persönliche Bereicherung und eine Erfahrung, die allen Beteiligten des Programms zugutekommt», meint die Verantwortliche für das Programm.

«DAS IST EIN ECHTES GESCHENK»

In anderen Teilen der Schweiz beteiligen sich immer mehr Freiwillige am Bergwaldprojekt. Auch hier gab es im Jahr 2020 einen Peak von Freiwilligen, die sich gemeldet haben. Die 1987 gegründete Stiftung mit Sitz in Trin GR fördert die Erhaltung des Waldes und der Kulturlandschaft in den Alpengebieten. Jedes Jahr werden von März bis November etwa 150 Arbeitswochen organisiert, an denen 2500 Teilnehmer mitwirken. In Blonay VD, Naters VS oder Val Müstair GR laufen mehrere Projekte, bei denen z. B. Bäume gepflanzt, Zäune erstellt, um das Wild von bestimmten Baumarten fernzuhalten, oder Alpen entbuscht werden. «Bergwälder haben eine Schutzfunktion gegen Naturgefahren wie Lawinen und Hochwasser und sind ein wertvoller Lebensraum für die Biodiversität. Dieses Erbe muss in Zeiten der Klimaerwärmung gepflegt und bewahrt werden, was aufgrund des Zeit- und Ressourcenmangels der Förster nicht immer möglich ist», erklärt Projektleiter Yannick Pulver. Freiwillige können sich online auf der Website der Stiftung anmelden. Das Bergwaldprojekt gibt es auch in Deutschland, Spanien und Österreich.

Die Schweizer Berghilfe und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) bieten seit fünf Jahren in der Romandie und seit über einem Vierteljahrhundert in der Deutschschweiz einen ähnlichen Service an. Unter dem Namen «Bergversetzer» werden Personen aus der Landwirtschaft, Gemeinden oder Tourismusorganisationen, die bestimmte Infrastrukturen bauen oder verbessern wollen, von Freiwilligen kostenlos unterstützt. Zu den durchgeführten Arbeiten gehören die Pflege von Weiden und Wanderwegen, die auf die Alpen führen, die Renovierung von landwirtschaftlichen Gebäuden oder auch die Installation von Wassersystemen. «Seit dem Beginn der Pandemie haben wir einen Anstieg der Anmeldungen und einen echten Wunsch, die Alpenbevölkerung zu unterstützen, festgestellt. Viele Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor wie Banken und Versicherungen sowie Stiftungen und Familien sind ebenfalls motiviert, sich zu beteiligen», erklärt Alain Peter, Koordinator des Programms für die Westschweiz.

Die Empfänger dieser Hilfsprogramme verpflichten sich, die Freiwilligen zu betreuen.

© CARITAS SCHWEIZ

So haben im Jahr 2021 rund 60 Gruppen fast 1270 Tage lang Aktivitäten in der Romandie durchgeführt. Sobald ihr Projekt auf der Website www.bergversetzer.ch angemeldet ist, verpflichten sich die Begünstigten, für die Betreuung tagsüber, das Werkzeug jedes Einzelnen und die Verpflegung zu sorgen. Auch das Übernachten vor Ort ist möglich, wenn die Aktivität mehrere Tage dauert. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Naturpark Pays-d’Enhaut haben sich bereits zahlreiche Alpbetriebe für diesen Sommer angemeldet. Auf dem Programm stehen das Ausreissen invasiver Pflanzen, das Anlegen von Tränkeplätzen oder das Instandstellen von Wasserleitungen. «Unsere Mission ist es, die Teilnehmer für die Probleme der Alpenregionen zu sensibilisieren und eine solidarische Verbindung zwischen Stadt und Bergen herzustellen. Wenn diese Begeisterung anhält, sind wir auf dem richtigen Weg», freut sich der Leiter des Projektes.

«WWOOFER» WERDEN

Möchten Sie sich mit der Landwirtschaft vertraut machen, den Bauern helfen und sich gleichzeitig Zeit nehmen, um die Gegend zu erkunden? Dann ist die 1971 in Großbritannien gegründete Organisation Wwoof (Worldwide opportunities on organic farms) genau das Richtige für Sie. Wwoofing ist eine Form des Ökotourismus, bei der die Teilnehmer vier bis sechs Stunden pro Tag auf einem Bauernhof arbeiten – und das fünf Tage die Woche – und dafür Unterkunft, Verpflegung und einen Einblick in die nachhaltige und biologische Landwirtschaft erhalten. Derzeit bieten 127 Bauernhöfe in der Schweiz diese Art von Aufenthalt an.

MEHR INFOS: www.wwoof.ch

SCHUTZ VOR DEM WOLF

Nicht nur tagsüber ist diese Hilfe wertvoll, sondern auch in der Nacht – insbesondere seit der Rückkehr des Wolfes und der Zunahme der Angriffe auf die Herden. Der 2020 gegründete Verein Oppal bietet Hirten in den Sömmerungsgebieten, die auf Unterstützung angewiesen sind, Wachtposten an, um die Nutztiere zu bewachen. Gleichzeitig soll mit der Hilfe von Wärmebildbrillen für die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfs aufmerksam gemacht werden. «Es wurden Vergrämungsmassnahmen durchgeführt, aber es gab keine Angriffe», freut sich Direktor Jérémie Moulin. Wir hoffen auf mindestens 300 Freiwillige, die in diesem Sommer am Programm teilnehmen.»

Mehrere Alpen im Kanton Waadt werden sich ebenfalls an diesem Programm beteiligen. Interessierte können sich auf der Website www.oppal.ch für eine zweitägige Ausbildung anmelden. «Es gibt ein grosses Interesse und den Wunsch, gemeinsam Verantwortung  zu übernehmen und das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier zu fördern. Erfreulicherweise wollen sich viele Menschen freiwillig dafür engagieren.»

 

LILA ERARD