de Rindfleisch: Labels für jeden Geschmack

EINHEIMISCH GENIESSEN – 2022

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Rindfleisch: Labels für jeden Geschmack

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DOSSIER

RINDFLEISCH: LABELS FÜR JEDEN GESCHMACK

 

Natura-Beef, IP-Suisse, Demeter, KAGfreiland, Simmentaler Original, Swiss Black Angus, Fleur d’Hérens ...
Auf dem Schweizer Rindfleischmarkt gibt es rund ein Dutzend verschiedene Labels. Wie findet man sich in diesem Dschungel zurecht? Ein Überblick, der Ihnen hilft, nach Ihren Grundsätzen zu wählen.

Wie man Rindfleisch findet, das gemäss den eigenen Werten produziert wurde

Einige Labels gibt es schon seit fast einem Jahrhundert, während andere erst seit Kurzem auf dem Markt sind. Rindfleisch aus Weidehaltung, einer bestimmten Rasse oder aus einer bestimmten Region: Einige Tipps, wie Sie Ihr Rindfleisch bewusst kaufen können.

Das Natura-Beef, das IP-Suisse-Rind, das Demeter-Rind, das KAGfreiland-Rind, das Limousin Regional oder das Swiss Black Angus – es gibt heute eine Fülle von Rindfleisch-Labels, die den Verbraucher in die Irre führen können. Der Konsument, der nach seinen Überzeugungen einkaufen möchte, ist verwirrt. Soll er sich für den Tierschutz, die Fleischqualität oder das Überleben einer bestimmten Rasse entscheiden? Mit seiner Wahl kann der Kunde eine ganze Branche beeinflussen. Die Züchter erkannten diese Möglichkeit und schlossen sich schnell zusammen, um ihren Beruf mithilfe der verschiedenen Logos zu verteidigen.
Die ersten Labels für Rindfleisch wurden vor fast einem Jahrhundert entwickelt, z. B. Demeter, dessen Name seit 1928 auf biodynamischen Produkten prangt. In den 1950er-Jahren gründete auch die Nutztierschutzorganisation KAGfreiland ihr eigenes Siegel, um das Schicksal der Tiere in der Tierhaltung zu verbessern. Seitdem haben sich 110 Bauern der von Lea Hürlimann ins Leben gerufenen Bewegung angeschlossen. Einige von ihnen sind sehr erfolgreich, unter ihnen Mutterkuhhalter.

EIN ERFOLGREICHES LABEL

1977 waren Mutterkuhhalter im Land noch rar, und die Gründung von Natura-Beef half, diese tierfreundliche Haltungsform bekannt zu machen. Durch den Zusammenschluss mit Coop, Vianco und Viegut wurde eine eigene Kette gegründet. Unter dieser Marke kann ein Teil der Produktion im Direktverkauf abgesetzt werden und zudem ein ausgezeichneter Kundenkontakt gepflegt werden. «Über 4400 Betriebe sind dabei», sagt Mathilde Hans-Moevi, die bei Natura-Beef für die Labelproduktion zuständig ist. Heute stammen fast 40% des in der Schweiz produzierten Rindfleischs aus Labels, und die Nachfrage steigt stetig. Dieses Entwicklungspotenzial fördert die Entstehung neuer, noch gezielterer Auszeichnungen.

BIS ZUM ENDE DER HÖRNER

Man kann sich dafür entscheiden, ein Steak von Kühen mit Hörnern zu kaufen, das mit dem HornLabel-Stempel versehen ist. Man kann sich aber auch für ein Entrecôte einer bestimmten Rasse entscheiden wie z. B. der Eringer-Rasse. Das 2010 gegründete Label Fleur d’Hérens vereint heute mehr als 200 Züchter. Es garantiert, dass die Tiere im Wallis geboren wurden, in den Bergen geweidet haben und im Winter hauptsächlich Heu gefressen haben. Diese Marke geht sogar noch weiter, indem sie angibt, dass die Schlachtung im Kanton Wallis erfolgen muss. Dutzende von Gastronomen haben sich der Initiative angeschlossen. Die Züchter hoffen, so eine Wiederbelebung dieser symbolträchtigen Rasse zu erwirken, da der Bestand an kleinen schwarzen Kühen immer weiter schrumpft.
Die Förderung einer Rasse ist auch das verbindende Element der Marke, die der Swiss Limousin Club vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Was ist sein Ziel? Den kurzen Weg zwischen dem Erzeuger und dem Metzger zu fördern, indem auf einen Zwischenhändler verzichtet wird. Das Start-up-Unternehmen, dem 20 Züchter angehören, nutzt eine digitale Plattform, um die Organisation und die Koordination der Produktion vom Stall bis zur Ladentheke zu erleichtern. Beide legen fest, wie viele Tiere pro Jahr lieferbar sind sowie das gewünschte Schlachtgewicht, und behalten so die volle Kontrolle über die Produktionskette. «Dieses Modell ermöglicht es zudem, das handwerkliche Know-how zu erhalten», meint ihre Vertreterin Sophie Kunz.

FRAGEN AN

REBECCA EGGENBERGER, LEBENSMITTELSPEZIALISTIN DER WESTSCHWEIZER KONSUMENTENVEREINIGUNG

Ist es eine gute Idee, ein Label zu gründen, um sein Fleisch zu vermarkten?

Die FRC fördert kurze Transportwege und eine Produktion, die so naturnah und respektvoll wie möglich ist. Labels erfüllen diese Bedingungen und können für den Konsumenten eine wertvolle Einkaufshilfe darstellen. Die FRC befürwortet jedoch nicht ihre Vermehrung; besser ist es, die Anforderungen der Pflichtenhefte bereits bestehender Labels zu verschärfen. Ihre Präsenz bietet einen Mehrwert, sollte aber auf keinen Fall das Lesen der Etiketten ersetzen.

Inwiefern ist die Fülle an Labels für den Konsumenten schädlich?

Es ist wichtig, dass der Konsument klare und transparente Informationen erhält, z. B. über die Herkunft und die Produktionsmethoden des Fleisches. Leider kann eine zu grosse Anzahl an Labels zu Verwirrung führen und somit das Ziel verfehlen. Es ist unmöglich, die Anforderungen in den Spezifikationen der verschiedenen Labels zu kennen, und es bedarf einiger Nachforschungen.

Welche Kennzeichnung kann problematisch sein?

Ein regionales Label z. B. impliziert die Vorstellung von Nähe und handwerklichem Können. Die Begriffe «Entfernung» und «Produktion» sind interpretationsbedürftig. Wir haben die Regionallabels von Einzelhändlern evaluiert und festgestellt, dass die Spezifikationen von einem Detailhändler zum anderen sehr unterschiedlich sind. Dies kann für den Verbraucher noch verwirrender sein.

GLAUBWÜRDIGKEIT AUF DEM PRÜFSTAND

Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) hat 2018 eine Studie durchgeführt, um die Glaubwürdigkeit von Labels und das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, zu ermitteln. Daraus geht hervor, dass einige Konsumenten häufiger Schweizer Rindfleisch mit Label konsumieren, wenn strenge Produktionsstandards in Bezug auf Tierschutz, Ökologie, Weidehaltung und Fütterung vorwiegend mit Gras eingehalten werden. Dafür sind sie bereit, mehr zu bezahlen als für andere Rindfleischlabels, besagt die Studie weiter. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Kenntnis der Labels in den verschiedenen Sprachregionen unterschiedlich ausgeprägt ist. Natura-Beef und seine Biovariante sind in der Deutschschweiz beliebter als in der Romandie, und die am häufigsten genannten Labels sind Marken, die mit den Grossverteilern Coop und Migros oder der Bioproduktion verbunden sind.

WACHSENDE MITGLIEDERZAHL

Im Jahr 2018 wurde dass Label Simmentaler Original ins Lebengerufen. Rund 300 der insgesamt 1000 Züchter im Land tragen heute dieses Label. «Bis 2030 soll der aktuelle Bestand von 21 000 Milchkühen und 11 500 Mutterkühen verdoppelt werden», erklärt Präsident Josef Dähler. «Um das zu erreichen, müssen die Produkte aus dieser Rasse aufgewertet werden, d. h. ihr Fleisch, ihre Milch und – warum nicht – in Zukunft auch ihr Leder.» Dabei kann er auf grosse Unterstützung zählen: Weltweit werden über 50 Millionen Simmentaler gezüchtet. «Das sind genauso viele Botschafter für unsere Sache», sagt er. Der Konsument hat heute mehr denn je die Möglichkeit, sich für die Art der Tierhaltung einzusetzen, die ihm am meisten am Herzen liegt.

CÉLINE DURUZ