EINHEIMISCH GENIESSEN 2020

IN KÜRZE

Die neusten Regionalprodukte

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FOKUS

IIn der Schweiz ist der Biolandbau auf dem Vormarsch

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REPORTAGE

Im Herzen der Salinen von Bex

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DOSSIER

Die Spezialitäten der Produzenten des Verbandes Pays romand - Pays gourmand

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DOSSIER

Paradies der Feinschmecker-Cowboys

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DOSSIER

Auf den Höhen über dem Neuenburgersee ist das Lamm König

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DOSSIER

Das unwiderstehliche Aroma des Chämischinkens

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DOSSIER

Die Treberwurst: Wenn Feinkost auf Wein trifft

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DOSSIER

Die Chabiswurst ist der Star der Region Waadt

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DOSSIER

Die überraschende Delikatesse der Eringer Rasse

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REPORTAGE

Von der Weide auf dem Teller – zu Besuch bei Ueli-Hof

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AUSFLUGSZIELE

Vier Gourmet-Regionen von Freiburg bis Appenzell

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AUSBLICK

Slow-Food im Val de Bagnes

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AUSBLICK

Burgunderblut und Nidlechueche

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AUSBLICK

Klein, fein und familienfreundlich

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AUSBLICK

Ein Ort zum Wandern, Verweilen und Geniessen

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GENUSS

Schweizer Pärke und ihre Produkte

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ADRESSEN

Gourmande Auswahl von Anbietern von Agrartourismusprodukten

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ADRESSEN

Gourmande Auswahl von Anbietern von Unverpackt-Läden/Läden mit Regionalprodukten

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ADRESSEN

Gourmande Auswahl von Anbietern von Vente à la ferme

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ADRESSEN

Gourmande Auswahl von Anbietern von Winzer

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ADRESSEN

Gourmande Auswahl von Anbietern von Brauerei

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NACHGEFRAGT

DER BIO-BOOM

 

Biolebensmittel erfreuen sich immer grösserer  Beliebtheit bei den Konsumenten, die sie aus Gesundheits- oder Umweltgründen konventionellen Produkten vorziehen. Jedes Jahr stellen viele Schweizer Bäuerinnen und Bauern ihre Betriebe auf biologischen Landbau um, ein Erfolg, der sie ermutigt, dies zu tun. Ein Rückblick auf ein blühendes Phänomen, das lange Zeit brauchte, um sich zu etablieren.

Die Schweizer interessieren sich immer mehr für biologische Lebensmittel. Die Zahlen belegen dies. Im Jahr 2019 hat der Marktanteil von Bioprodukten erstmals 10,3% er¬reicht. «Das ist fast das Doppelte des Marktanteils im Jahr 2010», sagt Balz Strasser, CEO von Bio Suisse. Ein Trend, der logischerweise durch den Grossverteiler bestätigt wird. «In den letzten Monaten haben wir in der Tat eine starke Nachfrage nach Bioprodukten gespürt.» Bei Coop hat ihr Anteil sogar 14 Prozent überschritten», wird von dessen Medienverantwortlichen bestätigt. «Wir bieten derzeit rund 4100 Bioprodukte an, und dieses Jahr haben wir mehr als 100 neue Produkte auf den Markt gebracht.» Dasselbe gilt für das Gegenstück Aldi. «Von 2018 bis 2019 haben wir ein Umsatzwachstum von mehr als 20% verzeichnet, insbesondere im Obst- und Gemüsesektor und bei den Milchprodukten. Seit der Einführung der ersten Bioprodukte in unserem Sortiment im Jahr 2014 haben wir unser Angebot kontinuierlich erweitert und bieten heute mehr als 300 Bioprodukte in einem Sortiment von rund 1500 konventionellen Produkten an», heisst es aus der Aldi-Medienstelle. Die beliebtesten Bioprodukte sind Gemüse (57%), gefolgt von Obst (52%), Eiern (39%) und Milch (30%). Fertiggerichte (7%) und Tiefkühlkost (8%) stehen am Ende der Liste.

GESELLSCHAFTLICHER WANDEL

«Eine Freundin von mir hatte rheumatoide Arthritis und konnte ihre Schmerzen durch eine Ernährungsumstellung lindern. Nach und nach wurde mir bewusst, dass Essen nicht nur der Akt des Essens ist, sondern auch ein Mittel zur Erhaltung der Gesundheit», sagt eine 60-jährige Pensionärin aus dem Waadtland. Heute sind 90% ihrer Lebensmittel biologisch, und sie bezieht ihre Lieferungen aus Supermärkten, von Biomärkten und Fachgeschäften. «Bioprodukte sind etwas teurer, aber ich kann mein Obst und Gemüse in grossen Mengen unverpackt kaufen, was weniger Abfall bedeutet», sagt sie.

Für ein anderes Paar in den Dreissigern, Eltern eines Kleinkindes, ist der Verzehr von Biolebensmitteln vor allem ein staatsbürgerlicher Akt. «Wir haben diese Wahl für die Gesundheit unserer Familie, aber auch für die Gesundheit unseres Planeten getroffen», sind sie sich einig. Sie räumen ein, dass sie mit dieser Wahl auch mehr Geld für ihre Ernährung ausgeben: «Wir stellen niemals den Preis von Mobiltelefonen, Benzin, Freizeitaktivitäten oder Reisen infrage, aber wir zögern zweimal, bevor wir etwas mehr für gesunde Ernährung ausgeben. Das ist paradox.»

100 JAHRE BIOLOGISCHE LANDWIRTSCHAFT

Die Anfänge des Schweizer Biolandbaus reichen bis in die 1920-er-Jahre zurück. Besonders inspiriert wurde er durch die von Rudolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründete anthroposophische Bewegung. Es dauerte jedoch noch fünfzig Jahre, bis ihre Organisation institutionalisiert wurde. Mit der Gründung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) im Jahre 1973 und der Vereinigung Schweizer Biobauerngruppen, die 1997 in Bio Suisse umbenannt wurde, konnte dieser Schritt getan werden. In den späten 1980-er-Jahren begann die biologische Produktionsweise auf kantonaler Ebene breite Anerkennung und finanzielle Unterstützung zu finden. 1992 wurde der Biolandbau auf Bundesebene anerkannt und als förderungswürdige Produktionsform in das Landwirtschaftsgesetz aufgenommen.

EIN BIOPIONIER

Der ehemalige Landwirt und Grünen-Politiker Fernand Cuche, der sich schon früh für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft eingesetzt hat, freut sich über das wachsende Interesse der Schweizer am Biolandbau. «Dieser Trend zeigt deutlich, dass die Schweizerinnen und Schweizer immer mehr Lebensmittel konsumieren und dass sie sich immer mehr für die biologische Landwirtschaft interessieren. Aber auch die Bauern und Bauernfamilien in diesem Land fühlen sich zunehmend unwohl bei der Verwendung von Pestiziden und synthetischen Düngemitteln.» Ein Mentalitätswandel, der Zeit brauche, um sich durchzusetzen.

Der 74-jährige Neuenburger weiss, wovon er spricht. Als er vor fünfundvierzig Jahren sein kleines Landgut in Lignières kaufte, um es biologisch zu bewirtschaften, gab es viel Kritik. «In den ersten Jahren war es schwierig, Getreide zu produzieren, das nicht von unerwünschten Kräutern befallen war», sagt er. «Es hat uns etwas Zeit gekostet, unsere Methoden zu verfeinern. Es waren die 1970er-Jahre, die Frühzeit des biologischen Landbaus in der Schweiz. Es war ein Kampf, anders zu kultivieren, weil es das etablierte dominante Intensivmodell infrage stellte und zwangsläufig das Misstrauen der überwiegenden Mehrheit der Landwirte weckte», erinnert er sich. Dies hat den Junglandwirt jedoch nicht davon abgehalten, seine Ideale zu verfolgen. «Ich fühlte mich im Widerspruch zu dieser intensiven Landwirtschaft und ihren Auswirkungen auf die Umwelt», erinnert sich Fernand Cuche. Es sei die Zeit der extensiven Landwirtschaft gewesen, die aus den Nachwehen der vorangegangenen Weltkriege und der damit verbundenen Nahrungsknappheit hervorgegangen sei. Dazu sei auf der einen Seite die Angst der Bauern, nicht genug zu produzieren, und auf der anderen Seite die Angst der Menschen, nicht genug Nahrung zu haben gekommen. «Die intensive Produktionsmethode bot Ernährungssicherheit. In 30 Jahren ist unser Land von der Nahrungsmittelknappheit zum Überschussmanagement übergegangen, insbesondere in der Milchproduktion», sagt der Landwirt. Diejenigen, die sich zur biologischen Produktion entschieden hätten, hätten auch finanziell Rückschritte gemacht.

EIN HERAUSFORDERNDER ÜBERGANG

Aber die Erfahrung der Biopioniere und die allmähliche Akzeptanz der Verbraucher haben dieser neuen Produktionsmethode nach und nach zum Erfolg verholfen. «Die Landwirte von heute können sehen, dass die Bauern, die vor 30 oder 40 Jahren auf biologischen Landbau umgestellt haben, immer noch da sind und dass ein anderes Modell möglich ist», erklärt Fernand Cuche. Das heisst aber nicht, dass er die Schwierigkeiten der Umstellung unterschätzt. «Intensiv bewirtschaftetes Land hat weniger botanische Vielfalt, weniger Biodiversität, und weniger Insekten. In ihrer Übergangsphase wundern sich die Böden und Pflanzen ein wenig darüber, was mit ihnen geschieht, und brauchen eine Zeit der Anpassung. Die Landwirte müssen das richtige Saatgut und die richtige Fruchtfolge wählen. Glücklicherweise wird diese Übergangsphase von den öffentlichen Behörden unterstützt. Denn sie ist durchaus eine kleine Revolution.

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BIANCA BRAUN

MEDIENVERANTWORTLICHE VOM BIO MARCHÉ ZOFINGEN

 

Nach seiner ersten Austragung im Jahr 2000 hat sich der Bio Marché innert Kürze zur führenden Schweizer Biomesse entwickelt und findet seither jedes Jahr im Juni in der Altstadt von Zofingen AG statt. Das Herzstück des Bio Marché ist ein Bioverkaufsmarkt mit Ausstellern aus dem In- und Ausland. Das Angebot reicht von Grundnahrungsmitteln über Comestible-Spezialitäten, Kosmetika und Textilien bis hin zu Möbeln und Baustoffen. Wegen der Situation rund um Corona wurde der Mark dieses Jahr abgesagt. Bianca Braun, Medienverantwortliche vom Bio Marché, erklärt wie es weitergeht und warum Bio gerade jetzt besonders im Trend ist.

 

Der Bio Marché musste in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden. Wie reagieren die Besucher darauf?

Bianca Braun: Viele Besucher freuen sich jeweils ein ganzes Jahr lang auf den Bio Marché, nicht wenige decken sich jeweils gleich mit einem Jahresbedarf ihrer Lieblingsprodukte ein. Da war die Enttäuschung natürlich bei vielen riesig. Und selbstverständlich waren auch viele Aussteller und wir selbst sehr traurig über die Absage. Doch das Verständnis aller war gross.

 

Ist die Nachfrage nach Bio trotzdem da?

Nicht «trotzdem» – sondern «jetzt erst recht»! Die Corona-Krise hat einen Bio-Boom ausgelöst. Umso trauriger ist es, dass unsere Aussteller ausgerechnet in diesem Jahr die einmalige Plattform des Bio Marché nicht nutzen konnten, um ihre Produkte vorzustellen.

 

Gibt es andere Absatzkanäle für die Produzenten, welche sonst am Marché teilnehmen?

Im Wissen, dass mittlerweile sehr viele unserer Aussteller auch einen Online-Shop haben, war die Entscheidung schnell klar: Als «Trostpflaster» für unsere Aussteller und Besucher lancierten wir umgehend den «Virtuellen Bio Marché». Alle Aussteller haben unter www.biomarche.ch einen Online-Eintrag mit Bild und Direktlink auf die eigene Website erhalten, Aussteller mit eigenem Online-Shop wurden entsprechend gekennzeichnet. Zudem läuft noch bis im Herbst eine gross angelegte Social-Media-Kampagne, in deren Rahmen jeder Aussteller individuell vorgestellt wird. Auf diesem Weg finden Besucher doch zu ihren Produkten, und Aussteller müssen nicht ganz auf den Bio-Marché-Umsatz verzichten.

 

Wie geht es weiter?

Den Verlust aus der diesjährigen Absage stecken wir definitiv nicht mit links weg, aber wir blicken klar nach vorne. Wir sind sehr zuversichtlich, dass der nächste Bio Marché vom 18. bis 20. Juni 2021 wieder stattfinden darf. Und diese Zuversicht und Vorfreude teilen auch unsere Aussteller: Drei Viertel von ihnen haben sich fürs nächste Jahr schon verbindlich angemeldet.

Der nächste Bio Marché findet vom 18. bis 21. Juni 2021 in Zofingen statt.

www.biomarche.ch

100% ÖKOLOGISCHE LANDWIRTSCHAFT IM JAHR 2050?

Eine Revolution, die dennoch möglich und sogar unverzichtbar ist für das künftige Überleben der Landwirtschaft und unsere Ernährung, ist der ehemalige Landwirt überzeugt. «Ein lebendiger Boden ist die Garantie für die Nahrung von morgen. Ein Land, das seine Fruchtbarkeit verliert, ist ein Land, das stirbt und eines Tages aufgegeben wird.»

Im Jahr 2017 stellte eine in der wissenschaftlichen Zeitschrift «Nature Communications» veröffentlichte Studie fest, dass die biologische Landwirtschaft laut UNO im Jahr 2050 die gesamte Weltbevölkerung ernähren könnte, die auf 9,8 Milliarden Menschen geschätzt wird, vorausgesetzt, unseren Verbrauch an Fleischprodukten drastisch zu reduzieren, um Flächen freizumachen, die derzeit für die Viehzucht genutzt werden, um die Anbaufläche zu vergrössern. «Von einem erfolgreichen quantitativen Boom müssen wir zu einer nachhaltigen qualitativen Produktion zurückkehren», betont Fernand Cuche. Im Jahr 2019 produzierten rund 7000 Landwirtschaftsbetriebe nach den Richtlinien der Bio Suisse, das sind 15,3% aller Betriebe in der Schweiz. Seit Jahresbeginn haben 299 Betriebe auf biologischen Landbau umgestellt. «Immer mehr Landwirte gehen zum ökologischen Landbau über und sind sich bewusst, dass sich der Markt und die Verbrauchergewohnheiten in diese Richtung verändern. Viele von ihnen sagen, dass sie in diesem Beruf Harmonie mit der Natur und mehr Freude gefunden haben. Ich kenne niemanden, der gerne zurückgehen würde», stellt Fernand Cuche abschliessend fest.

 

AURÉLIE JAQUET UND THERESE KRÄHENBÜHL-MÜLLER

BIOLOGISCHES GEMÜSE AUS DER REGION

2014 gründete Martina Wacker das Gemüseabo Bio Mio. Die Biogemüsekörbe von Bio Mio werden im Raum Zürich ausgeliefert. Das Gemüse stammt von verschiedenen regionalen Biolandwirtschaftsbetrieben. Martina Wacker bestätigt, dass Bio im Trend liegt: «Wir spüren, dass immer mehr Kundinnen und Kunden sich bewusst für biologisches Gemüse, Obst und andere Produkte entscheiden. So ist zum Beispiel die Nachfrage nach unserem Biogemüse-Abo stark angestiegen – und dies nicht nur wegen der Corona-Pandemie.» Der Trend zeichne sich seit längerem ab und sei anhaltend. «Gleichzeitig sehen wir, dass bei den Kundinnen und Kunden auch die Region eine wichtige Rolle spielt.  Vielen ist es ein Anliegen, die regionalen Landwirte zu unterstützen.»

www.bio-mio.ch

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