de Die E-Bikes erobern die Radwege

FREIZEIT UND AGROTOURISMUS - 2021

IN KÜRZE

Neues aus dem Bereich Freizeitaktivitäten und Agrotourismus

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FOKUS

Die E-Bikes erobern die Radwege

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DOSSIER

Das Abenteuer direkt vor der Haustür

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DOSSIER

Erobern Sie mit dem Mountainbike die Waadtländer Voralpen!

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DOSSIER

Im Trab und im Galopp durch die Freiberge

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DOSSIER

Paddeln auf dem Bielersee

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DOSSIER

In den Tiefen des Risoud-Walds

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DOSSIER

Zwischen Reben und Obstbäumen die Rhône hinauf

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DOSSIER

Von Château-d’Oex nach Jaun – ein zweitägiges Abenteuer

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AUSFLUGSZIELE

Auf in die schönsten Alpregionen der Schweiz

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AUSFLUGSZIELE

Voller Ehrfurcht vor den Gipfeln der Dents-du-Midi

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AUSFLUGSZIELE

Willkommen im Diemtigtal, dem Paradies für Kühe!

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AUSFLUGSZIELE

Welches Geheimnis birgt der zauberhafte Schwarzsee?

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AUSFLUGSZIELE

Appenzell im Rhythmus altüberlieferter Traditionen

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AUSFLUGSZIELE

Waadtländer Jura – Natur und Handwerkskunst

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DOSSIER

Das unverzichtbare Zubehör für Ihre Ausflüge

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SEHR PRAKTISCH

Fünfzehn Apps für 100?% Schweizer Sommerfeeling im Freien

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SEHR PRAKTISCH

Mit der Familie auf Tour – ein Kinderspiel

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SEHR PRAKTISCH

Hochwertiges Equipment für sorgenfreie Ausflüge

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SEHR PRAKTISCH

Die Schweiz neu entdecken

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GUTE ADRESSEN

Gute Adressen auf Camping auf dem Bauernhof und Bergbuvetten

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GUTE ADRESSEN

Gute Adressen auf Hütten des Schweizer Alpen-Clubs, Schlafen im Stroh und Vermietung

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FOKUS

DAS ABENTEUER VOR DER HAUSTÜR

 

Für unvergessliche Erlebnisse im Herzen der Natur müssen Sie nicht in die Ferne schweifen. Zu Fuss und zu Pferd, mit Kanu und Velo haben wir uns auf den Weg gemacht, um die Schönheiten der Schweiz auf andere Weise zu erkunden.

Die Zahlen sorgen bei Fachhändlern für Euphorie: Noch nie wurden in der Schweiz so viele Velos verkauft wie im Jahr 2020. Über eine halbe Million Zweiräder haben so ihren Besitzer gefunden (501’828 laut den offiziellen Angaben von VeloSuisse, dem Dachverband der Branche), darunter ein Drittel E-Bikes (siehe Kasten unten) und über 200 000 Mountainbikes, wovon wiederum ein gutes Drittel mit einem Motor und einem Akku ausgerüstet ist. Offensichtlich haben sich hier zwei starke Trends des Velomarktes verbündet – und bestärkt. «2019 war ein Rekordjahr, aber die Coronavirus-Pandemie hat diesen Trend erheblich beschleunigt», kommentiert Martin Blatter, Geschäftsführer von Velosuisse. «Die Eindämmungsmassnahmen haben die sportlichen Aktivitäten auf Wandern, Laufen und Radfahren begrenzt und auch die Urlaubsmöglichkeiten auf Destinationen im Inland beschränkt, wodurch den Verbrauchern zugleich ein höheres Budget zur Verfügung stand. Einige haben das Radfahren wieder für sich entdeckt; Ausflüge mit der Familie erfreuen sich wieder grösserer Beliebtheit».

Obwohl dieser Trend alle Velotypen betrifft, ist der deutlichste Zuwachs tatsächlich bei den elektrischen Mountainbikes zu verzeichnen. Dies ist nicht zwangsläufig auf die Fahrer zurückzuführen, die regelmässig mit ihrem Bike unterwegs sind und nun einen bequemeren Zugang zu technischen Singletrails und anspruchsvollen Pisten suchen: «Man schätzt den Anteil der Käufer von elektrischen Mountainbikes, die ihr Rad im Gelände verwenden, auf 4% bis 5%. Das Phänomen ist vergleichbar mit der Beliebtheit von SUVs auf dem Automobilmarkt: Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die sich für diesen Fahrzeugtyp entscheiden, bleibt auf Strassen und befahrbaren Wegen.»

Martin Blatter sieht hierfür zwei entscheidende Gründe: zum einen die besondere Vorliebe der Schweizer für hochwertige Ausstattung, zum anderen den erhöhten Komfort, den ein elektrisches MTB bietet. «Im internationalen Vergleich zahlen Schweizer Käufer im Durchschnitt den höchsten Preis für ein Velo. Auch hier verhält es sich wie beim Automobil: Entscheidet man sich für ein kleines Modell, dann mit allen Sonderausstattungen». Mit seinen Hochleistungsfederungen und bremsen erfüllt ein Mountainbike zudem sämtliche Zulassungskriterien. «Und mit elektrischer Unterstützung spielt auch das Gewicht (ca. 25kg, Anm. d. Red.) keine Rolle mehr», betont er. «Die üblichen Nachteile eines Mountainbikes ausserhalb seines natürlichen Habitats machen sich überhaupt nicht mehr bemerkbar, wenn es über einen Akku verfügt.»

TEUER ABER NACHHALTIG

Der Preis hat es natürlich in sich. Denn die bereits erwähnten Komfortelemente sind technologisch komplex, ebenso wie das Getriebe – die klassische Kettenschaltung wird nunmehr durch elektronische Gangwechsel ersetzt – und natürlich auch Motor und Akku, welche die Hauptvorteile des E-Bikes darstellen. Mehrkosten, die sich durch die längere Lebensdauer von Produkten im höheren Preissegment zumindest teilweise amortisieren, fügt Martin Blatter hinzu. «Die Langlebigkeit der aktuell gefragtesten leistungsstarken Akkus ist höher als die der kleinen». Die Umweltkosten eines hochwertigen E-Bikes seien zwar schwer einzuschätzen, dürften aber sehr wahrscheinlich niedriger sein als die des in China produzierten Billig-Zweirads. Vorausgesetzt natürlich, dass man hin und wieder Wartungen durchführen lässt.

Auch diese haben ihren Preis. «Doch die Technik entwickelt sich stetig weiter und vereinfacht Servicesarbeiten», bemerkt Martin Blatter. «Leute, die ihre Ausrüstung intensiv nutzen, nehmen so viel wie möglich selbst in die Hand. Im Übrigen müssen Verkäufer ihre Kundschaft über diesen Aspekt aufmerksam machen.»

Die Begeisterung rund um das Mountainbike – ob elektrisch oder konventionell – ist vergleichbar mit der Ski-Euphorie vor einigen Jahrzehnten. Sie bedingt ebenfalls eine Zunahme von gezielten Angeboten in den Erholungsorten, welche sie zu Recht als ideales Mittel betrachten, um den Sommertourismus zu fördern, kostspielige Infrastrukturen rentabel zu machen und die Saisonbilanz der Unterkünfte ein klein wenig zugunsten des Sommers auszugleichen. Insbesondere Verbier (VS) setzt seit mehreren Jahren auf das Zweirad und entwickelt sich zum wahren Biker-Hotspot mit speziellen Abfahrtspisten und markierten Strecken für Velowanderer, Sonntagsfahrer oder waghalsige Freerider.

«Wir haben zunächst unser Downhill-Streckennetz ausgebaut», erklärt Nicolas Hale-Woods, Direktor des Verbier E-Bike Festivals und Verantwortlicher für die Gesamtentwicklung des Radsportangebots im Walliser Erholungsort. «Wir bieten mittlerweile auch Enduro sowie Cross-Country-Strecken an, die über das eigentliche Skigebiet von Verbier hinausgehen.» Von der Gemeinde und von Téléverbier finanziert wurde eine kleine Struktur eingerichtet, um sämtliche Pfade zu bestimmen, die sich im Val de Bagnes zum E-Mountainbiking eignen, aus diesen kohärente Strecken zu entwickeln und eine entsprechende Zulassung zu erhalten.

Und um das zu unterstützen, was als grundlegende Bewegung und nicht nur als Modeerscheinung wahrgenommen wird, organisiert das Städtchen seit 2019 das Verbier E-Bike Festival. «Ein wirksames Marketing-Instrument für die gesamte Region», wie sein Direktor betont – und darüber hinaus ein Zugang für E-Bike-Einsteiger: Es können unter anderem gut tausend E-Bikes auf vier verschiedenen Teststrecken erprobt werden. Die Veranstaltung, deren kommende Ausgabe vom 12. bis 15. August stattfindet, «ermöglicht jedem – auch Nichtsportlern –, sich einen Überblick zu verschaffen und sich später die Wahl seines Bikes und seiner Fortbewegungsart zu erleichtern», fasst Nicolas Hale-Woods zusammen.

SAGENHAFTER BOOM

Vor 15 Jahren noch war das E-Bike so innovativ für die Velowelt wie das Starship von Elon Musk für die Raumfahrt – zwar zuverlässiger, aber mit weniger als 1800 verkauften Exemplaren in der Schweiz im gesamten Jahr 2005 kaum weiter verbreitet. Das heisst, ein akkubetriebenes Bike auf... 153 gute alte, mit Muskelkraft betriebene Velos! Seitdem verzeichnet der Sektor einen spektakulären Zuwachs: Bis 2010 hat sich die Anzahl der jährlich verkauften E-Bikes quasi verdoppelt. In jenem Jahr wurde mehr als jedes zehnte Rad elektrisch unterstützt. Und die Erfolgsgeschichte sollte noch weitergehen: Im vergangenen Jahr wurden 171’132 E-Bikes verkauft... im Vergleich zu 330’696 herkömmlichen Velos.

www.pro-velo.ch

ANGEBOT NACH MASS

«Es ist eine grosse Aufgabe, denn die Zahl der Aktiven wird weiterhin zunehmen, da die elektrische Unterstützung das Mountainbiking für 90 % der Menschen möglich macht», verrät Nicolas Hale-Woods. Die Umsetzung eines massgeschneiderten Angebots für Radler beschränkt sich jedoch nicht ausschliesslich auf die Strecken: «Wir müssen auch die Infrastruktur sowie das gesamte wirtschaftliche, technische und geschäftliche Umfeld des Standorts weiterentwickeln.»

«Wir haben rund zwanzig Ladestationen im gesamten Val de Bagnes kostenlos zur Verfügung gestellt», erklärt Élise Farquet, Medienverantwortliche bei Verbier Tourisme. Neun Hotels sind speziell für Mountainbiker ausgestattet und verfügen über gesicherte Räume und Werkstätten für kleinere Reparaturen.» Diese Entwicklung beinhaltet auch eine ganze Reihe massgeschneiderter Angebote für die Touristen in Radlerhosen – 90 kostenlose Angebote für alle, die eine Nacht in einem Hotel in Verbier verbringen, erläutert Élise Farquet. Sie förderte zudem die Einrichtung von MTB-Kursen und eröffnet Skilehrern nun einen echten Arbeitsmarkt in der Sommersaison. Auch eine Ausbildung für Betreuer und Bikeguides wird derzeit erarbeitet.

Und um das zu unterstützen, was als grundlegende Bewegung und nicht nur als Modeerscheinung wahrgenommen wird, organisiert das Städtchen seit 2019 das Verbier E-Bike Festival. «Ein wirksames Marketing-Instrument für die gesamte Region», wie sein Direktor betont – und darüber hinaus ein Zugang für E-Bike-Einsteiger: Es können unter anderem gut tausend E-Bikes auf vier verschiedenen Teststrecken erprobt werden. Die Veranstaltung, deren kommende Ausgabe vom 12. bis 15. August stattfindet, «ermöglicht jedem – auch Nichtsportlern –, sich einen Überblick zu verschaffen und sich später die Wahl seines Bikes und seiner Fortbewegungsart zu erleichtern», fasst Nicolas Hale-Woods zusammen.

 

FÜR ALLE VERBRAUCHERTYPEN

Verbier hat darüber hinaus thematische Wanderungen mit dem Zweirad in seinen Veranstaltungskalender aufgenommen und wird seinen Ruf als E-Bike-Vorreiter mit der diesjährigen Gründung der E-Bike World Tour gerecht: drei koordinierte Events, die Wettkampf und Marketing kombinieren, eines auf dem Bagnarder Plateau, ein weiteres in Flachen (Österreich) und das dritte in Tignes-Val d’Isère (Frankreich).

Ein auf E-Bikes zugeschnittenes Freizeitangebot zu offerieren, ist jedoch nicht ausschliesslich den Destinationen vorbehalten, die sich an der Spitze dieses neuen Tourismusmarktes profilieren möchten. Im Vallée de Joux (VD) hat die Nachfrage nach dieser Art der Freizeitbeschäftigung zugenommen, nachdem sie über vier Jahre hinweg mehr oder weniger stagnierte. Auch hier hat das antriebsunterstützte Mountainbike die Maschine wieder ins Rollen gebracht: «Die Verbraucher können höher, schneller, weiter und länger fahren», fasst Cédric Paillard, Direktor von Vallée de Joux Tourisme, zusammen. Das Vallée ist weniger spezialisiert als Verbier und zieht eher Tagesausflügler des Genferseebogens oder der Romandie an, die hier ihren Kurzurlaub verbringen. Das Angebot geht dennoch mit dem Trend: «Wir haben unsere klassischen MTB-Strecken ausgebaut, die zugelassen und auf SchweizMobil erfasst sind», erläuert Cédric Paillard. Mit zwei 35km langen, kombinierbaren Rundstrecken entwickeln wir uns bereits zu einer Destination in diesem Segment. Der Verleih von E-Mountainbikes ist ebenfalls im Tourismusbüro, aber auch am Bahnhof von Sentier sowie am Col du Mollendruz möglich.

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Das E-Bike, ein neues Umweltproblem?

Die Anwesenheit von Bikern abseits der Touristenpfade ist an sich nicht neu. Mit der höheren Geschwindigkeit des elektrischen Mountainbikes kommt jedoch eine neue Komponente hinzu: das Überraschungsmoment für die Tierwelt. Was der Fussgänger erlebt, wenn er von einem Biker, den er nicht kommen hört, mit voller Geschwindigkeit überholt wird, dem sind möglicherweise auch wilde Tiere ausgesetzt, mit potenziell nachteiligen Folgen.

 

Bietet die Einrichtung spezieller Zonen und Streckenführungen keine Lösung für dieses Problem?   

Langfristig gesehen ist das grosse Problem, das sich abzeichnet, genau die Verbreitung dieser Art von Infrastrukturen in natürlichen Gebieten, da die Standorte zunächst die Ströme der verschiedenen Verbrauchertypen trennen möchten.

 

Aber die Tatsache, dass sich die Menschen mehr in der freien Natur aufhalten, ist doch positiv, oder?

Natürlich ist es erfreulich, dass die Menschen diese Lust verspüren... Aber Natur mit hoher Geschwindigkeit zu konsumieren ist möglicherweise nicht der beste Weg, sie zu geniessen! Und man kann sich fragen, ob sich die Entwicklung in diese Richtung fortsetzen wird. Was kommt nach dem E-Bike? Das elektrische Motorrad, das elektrische Quad? Für uns gehören mechanisierte Sportarten im Allgemeinen nicht in Naturgebiete.

Wir werden uns höchstwahrscheinlich auch mit zusätzlichen Ladestationen ausstatten.» Wie in Verbier wurden die Hoteliers auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, sichere Räumlichkeiten für die kostbaren Zweiräder der Talbesucher breitzustellen.

Abgesehen davon bringt im Jura wie in den Alpen die zunehmende Präsenz von Velofahrern auf Wegen, die etwas anspruchvoller sind als gefällige Strecken auf Asphalt, neue Herausforderungen mit sich. Obwohl er die Ansicht vertritt, dass das durchschnittliche Niveau der Mountainbiker höher ist als das der Skifahren, ist das technische Bewusstsein noch nicht Gegenstand eines separaten Angebots, wie Nicolas Hale-Woods einräumt. «Dies geschieht im Wesentlichen bei der Übergabe im Geschäft oder beim Verleihservice. Fachgeschäfte sind in der Lage, alle Fragen zu beantworten; viele von ihnen können ihre Kunden zudem an Fremdenführer oder Bikeguides vermitteln, mit denen sie zusammenarbeiten», sagt er.

Die deutlichen und intuitiven Markierungen – in Blau, Rot und Schwarz, je nach Schwierigkeitsgrad wie beim Skifahren – sind offensichtlich die effektivste Massnahme, um Mountainbiker an eine Fahr-praxis heranzuführen, die ihren Fähigkeiten entspricht, fügt Nicolas Hale-Woods hinzu. Diese Massnahme trägt auch dazu bei, das harmonische Nebeneinander zwischen Verkehrsteilnehmern, Radfahrern und Fussgängern zu gewährleisten, eine Problematik, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.

 

HARMONISCHE KOEXISTENZ

«Es ist ähnlich wie mit Tourengehern und Skifahrern», meint der Direktor des Verbier E-Bike Festivals. Es muss organisiert, aufeinander abgestimmt und kommuniziert werden! Die Markierung von Pisten und Wegen, welche jeweils für die eine oder andere Disziplin vorgesehen sind, ist eine Lösung, aber heutzutage sind Velos auf allen Wanderwegen zugelassen, mit Ausnahme gewisser örtlicher Vorschriften, beispielsweise entlang bestimmter Suonen.» Eine Situation, die ein festgelegtes Regelwerk und geeignete Beschilderungen erfordert – Vortritt für Fussgänger und niedriges Tempo beim Vorbeifahren oder Überholen bilden die Grundlage. «Es mag überraschend erscheinen, aber es macht einen grossen Unterschied, und in 95% der Fälle laufen die Begenungen reibungslos ab», versichert Nicolas Hale-Woods.

E-Biker selbst zeigen sich solchen Regeln gegenüber aufgeschlossen, stellt Cédric Paillard im Vallée de Joux fest. «Und unsere Routen verlaufen bewusst auf wenig frequentierten Wegen, um Probleme so gut es geht zu vermeiden, insbesondere in Abfahrtsabschnitten, in denen sich manche von der Geschwindigkeit verleiten lassen.»

Bleibt die Tatsache, dass die zunehmende Zahl von E-Bikern – auch von höflichen und aufmerksamen – mit erhöhten potenziellen Auswirkungen auf die Natur, die Wälder, die Anbau- und Weideflächen einhergeht. Bei seinem Vorhaben, das Streckennetz des Val de Bagnes zu erweitern, verwendet PromoBike einen erheblichen Teil seiner Mittel für die Lösung dieses Problems. «Dies impliziert eine umfassende Absprache mit den Eigentümern, dem Kanton, den Gemeinden, den Konsortien, den Umweltschutzorganisationen etc.», führt Nicolas Hale-Woods weiter aus. Ein hoher Verwaltungsaufwand, weitaus komplexer, als das, was seinerzeit die Entwicklung der Skigebiete begleitete. Wir kommen gut voran, doch im Schnitt dauert es sieben Jahre von der Idee eines neuen Radwegs bis hin zu seiner Einweihung. Und manche Projekte scheitern letztendlich.»

NEUE OFFROAD-STRECKEN

Als privilegierter Partner von Schweiz Tourismus offeriert die Website SchweizMobil Dutzende Velorouten in der gesamten Schweiz, die nach Region, Schwierigkeitsgrad und natürlich Kategorie – Velo oder MTB – geordnet sind. Letzteres Segment (eingeteilt nach dem System von SchweizMobil in nationale, regionale und lokale Routen, von mehrtägigen Touren bis hin zu kürzeren Tagesausflügen) verzeichnete entsprechend der Entwicklung des Mountainbikesports eine starke Zunahme. Im Jahr 2021 wurden rund zehn neue markierte Streckenvorschläge, vorwiegend im Oberwallis und im Tessin, ins Repertoire aufgenommen. Die Seite ermöglicht es ausserdem, seine Suche gezielt nach anspruchsvollen Singletrail-Touren, zugänglichen Touren für Einsteiger oder aber speziellen Strecken für E-Bikes auszuwählen.

www.schweizmobil.ch/de/mountainbikeland.html

So behutsam man auch vorgehen mag, die Entwicklung neuer Spezialstrecken löst nicht alle problematischen Auswirkungen auf die Naturgebiete, wie man im Übrigen auch bei Pro Natura beobachtet (siehe Kasten). «Erhöhen sich die Besucher-zahlen, erhöht sich auch der Druck auf die Fauna», fasst Nicolas Wüthrich, Medienverantwortlicher der Umweltschutzorganisation für die Westschweiz, zusammen. In einigen MTB-Hotspots haben wir das Limit erreicht. Die Lösung liegt im Dialog, damit die Gebiete ausfindig gemacht werden können, die sich am besten für eine Koexistenz eignen.» Ein Dialog, der zweifellos in den kommenden Jahren intensiviert, aber auch auf Destinationen im Flachland ausgedehnt werden muss.

Denn zum MTB- und E-Bike-Boom könnte bald der des gravel hinzukommen, ein neuer Trend aus den Niederlanden: der Nachfolger des Cyclocross-Bikes aber in einer allgemein zugänglicheren Version (im Gegensatz zur letzteren und ausserhalb des Wettkampfsports kaum bekannten Disziplin). Ein Rennrahmen mit charakteristischem Drop Bar, aber hydraulischen Scheibenbremsen und Profilreifen, die Waldwege und -pfade ebenso verschlingen wie asphaltierte Abschnitte. «Das ist der nächste grosse Trend», sagt Martin Blatter von VeloSuisse voraus. Und wissen Sie was? Gravelbikes sind sowohl in mechanischer als auch in elektrischer Ausführung erhältlich... Mit unserer atavistischen Passion für gute Ausrüstung und frische Luft wird dieser Newcomer vermutlich der Renner – und zahlreiche Nachahmer finden.

 

TEXT: BLAISE GUIGNARD

FOTOS: DR

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