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REPORTAGE

Der Hanf von AlpenPionier wird ohne Mässigung genossen

 

 

Das Projekt AlpenPionier, das von Bauern und Jungunternehmern getragen wird, hat in den letzten fünf Jahren ein Comeback von «Cannabis sativa» in Graubünden bewirkt. Ihr Ziel? Dem Speisehanf wieder einen festen Platz auf unseren Tellern zu verschaffen.

Im Rheintal gibt es eine Ackerkultur, die seit einigen Jahren die Agrarlandschaft von der Surselva bis zum Bodensee aufmischt. Sobald das Getreide gedroschen ist, streben seine kräftigen, geriffelten Stängel über zwei Meter in die Höhe und seine beeindruckende Biomasse überragt die Ebene. Im Herbst verfärben sich die fein gezackten Blätter leicht braun und geben den Blick auf die Samen frei, die in klebrigen, duftenden Nüsschen eingebettet sind.

«Hanf ist eine Kultur, die nicht unbemerkt bleibt», sagt Carlo Weber, der Koch hinter AlpenPionier. Nachdem er an der Hochschule Wädenswil (ZH) eine Forschungsarbeit über pflanzliche Proteine durchgeführt hatte, entwickelte der Zürcher 2017 seine Leidenschaft für Speisehanf und entdeckte die agronomischen und nährstoffreichen Vorzüge dieser Ölpflanze wieder. Zusammen mit Landwirten aus Graubünden und Liechtenstein sowie einer Handvoll Jungunternehmern, die alle ein gemeinsames Interesse an diesem Superfood hatten, gründete Carlo Weber das Unternehmen AlpenPionier. Heute sind fast 40 Produzenten aus der Ostschweiz an diesem Projekt beteiligt, das jedes Jahr eine grössere Menge von Cannabis sativa für die menschliche Ernährung übernimmt.

«Diese Pflanze hat eine lange Tradition in der Schweiz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte sie sogar eine wichtige wirtschaftliche Rolle, vor allem in Graubünden.»

«Hanf und seine vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten haben in der Schweiz eine lange Tradition», stellt der Unternehmer fest, während er durch das Lagerhaus geht, in dem die Samen nach der Ernte gelagert und aufbereitet werden. «Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte er sogar eine wichtige wirtschaftliche Rolle, vor allem in Graubünden.» Die Blätter dienten als Viehfutter, die Samen wurden zu Speiseöl gepresst, und die Fasern wurden zu Textilien, Seilen und Papier verarbeitet. «Die letzten Spuren von Hanf wurden in den 1970er-Jahren im Dorf Lü im Engadin gefunden», berichtet Carlo Weber. Wie überall im Westen ging sein traditioneller Anbau im Laufe des 20. Jahrhunderts mit der Erfindung von Kunstfasern und dem Aufkommen ertragreicherer Ölsaaten zurück. Cannabis sativa wurde zu einer Erinnerung oder möglicherweise zu einem Nischenprodukt, das aus Nostalgie angebaut wurde.

Carlo Weber gründete das Unternehmen AlpenPionier, dem heute rund 40 Produzenten aus der Ostschweiz angehören.

UNKRAUTBEKÄMPFUNG

Nach langen Abklärungen zur Auswahl des Saatguts säen Carlo Weber und die wenigen Bauern, die er um sich versammelt hat, 2017 auf einem Dutzend Hektaren Hanf. Andreas Näscher im benachbarten Liechtenstein nahm Cannabis sativa sofort in seine Fruchtfolge auf. «Der Anbau erfolgt im Frühjahr auf erwärmten Böden», erklärt der Biobauer. Hanf wächst extrem schnell, aber der Erfolg des Anbaus hängt vor allem vom Zeitpunkt des Ausbringens ab. Denn obwohl die winterharte Pflanze sich selbst genügt, insbesondere was die Zufuhr von Stickstoff- oder Kalidünger angeht, fürchtet sie nichts so sehr wie Unkraut. «Eine seriöse mechanische Unkrautbekämpfung sorgt dafür, dass sie sich nicht konkurrenzieren lässt», stellt Andreas Näscher fest, für den diese Pflanze zu einem unverzichtbaren Bestandteil und zu einer wirtschaftlichen Säule seines Betriebs geworden ist.

An schönen Frühlingstagen «fahren die Pflanzen hoch» und entwickeln innerhalb weniger Wochen eine beeindruckende Biomasse. Carlo Weber sagt: «Trockene Bedingungen haben wenig Einfluss auf die Pflanze. Zu hohe Luftfeuchtigkeit kann die Ernte im Oktober erschweren, erhöht aber nicht das Krankheitsrisiko.» «Hanf hat keine Schädlinge und ist daher eine sehr geeignete Kultur für den Bioanbau», ergänzt Andreas Näscher. Bei AlpenPionier sind übrigens sowohl die Anlagen als auch die Partnerproduzenten seit Beginn des Abenteuers Knospe-zertifiziert.

Das Unternehmen investierte 2020 in eine eigene Verarbeitungsanlage. Heute sortiert und schält es 35 bis 40 Tonnen Hanfsamen pro Jahr.

INFRASTRUKTUR KONSEQUENT ENTWICKELT

Da es keine eigene Infrastruktur gab, wurden die ersten drei Ernten der gedroschenen Samen von Partnermühlen und -röstern in der Region getrocknet, sortiert, verarbeitet und verpackt. Gleichzeitig wuchs das Team von AlpenPionier – u. a. durch Designer und Köchin –, und die Marktanteile stiegen. Die breite Öffentlichkeit entdeckte den an Erdnüsse und Haselnüsse erinnernden Geschmack von Hanföl, -samen und -pulver. 2018 erhielt AlpenPionier eine erste offizielle Anerkennung, als er für den Agropreis, den Schweizer Preis für landwirtschaftliche Innovation, nominiert wurde.

«2020 konnten wir in unsere eigenen Verarbeitungsanlagen investieren», fährt Carlo Weber fort und verweist auf die Maschinen, mit denen das Unternehmen heute 35 bis 40 Tonnen pro Jahr sortieren und schälen kann. «Wir sind zu einem vollwertigen Anbieter geworden: Wir verarbeiten nicht nur unsere eigene Produktion, sondern sortieren auch Buchweizen, Sonnenblumen, Raps, Flachs, Erbsen und Linsen.» Die Investition von 400 000 Franken wurde teilweise über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert.

Andreas Näscher hat Cannabis sativa 2017 in seine Fruchtfolge aufgenommen. Seitdem ist diese Kultur zu einer tragenden Säule seines Betriebs geworden.

Die Produktpalette von AlpenPionier umfasst mittlerweile ein Dutzend Erzeugnisse von Öl und Mehl über Nudeln bis hin zu Energieriegeln. Das Hauptprodukt bleiben zweifellos die Samen, die wie Popcorn gegessen werden können, geröstet und gesalzen, und die sinnigerweise «Kino-Hanf» genannt werden. Carlo Weber: «Es ist immer noch eine Herausforderung, Händler und Verbraucher von den Vorteilen von Speisehanf zu überzeugen. Bisher hatte niemand von Hanf gehört oder wusste, wie er zubereitet werden kann.» AlpenPionier kann auf die Kreativität der Bündner Küchenchefin Rebecca Clopath zählen, die weitherum für ihre natur- und erdverbundene Küche bekannt ist. Sie hat eine Reihe von Rezepten entwickelt – Pesto, Smoothie, Pfannkuchenteig, Brötchen, Eis, Brownies und Granola (lesen Sie das Rezept) –, die Cannabis sativa in die Schweizer Küchen bringen sollen.

EIN SCHLECHTER RUF

Die Kommunikationsarbeit ist wichtig, weil die Pflanze nach wie vor mit einem zweifelhaften Ruf behaftet ist. «Wir haben seit Beginn mit dem Image des psychotropen Hanfs zu kämpfen», räumt Carlo Weber ein. «Unser Hanf enthält sozusagen kein THC oder CBD, und unser Engagement für diese Pflanze hat nichts mit dem Engagement für die Entkriminalisierung von Cannabis zu tun.» Um an Glaubwürdigkeit zu gewinnen, betreiben die Gesellschafter von AlpenPionier unermüdlich Informations- und Lobbyarbeit. So konnten sie unter anderem vom Kanton Graubünden einen grossen Zuschuss erhalten, der in Form einer Finanzierung pro Hektare direkt an die Produzenten weitergegeben wird.

«Hanf kennt keine Schädlinge, was ihn zu einer sehr geeigneten Kultur für den ökologischen Landbau macht. Ausserdem wird er von trockenen Bedingungen kaum beeinträchtigt.»

Der Anbau von Hanf, der lange Zeit verboten war, stösst bei den Bauern immer noch auf Misstrauen. «Die Anerkennung von Speisehanf als eigenständige Kultur durch das Bundesamt für Landwirtschaft ist noch nicht erfolgt», bedauert Carlo Weber. «Der Erhalt von Direktzahlungen, die dieser Produktion gewidmet sind, wäre ein echter Fortschritt, den wir uns wünschen.»

MEDIEN WILLKOMMEN

Andreas Näscher hat, wie alle Landwirte, am Rande seiner Parzellen Informationstafeln aufgestellt: «Diese Hanfsorte enthält weniger als 0,2% THC – man kann sie also durchaus rauchen, aber die Wirkung entspricht dem Rauchen von Salatblättern», heisst es dort. Der Landwirt, der während der Vegetationsperiode auch die schönsten Blätter erntet, um daraus Teebeutel und trinkfertige Flaschen mit kaltem Tee herzustellen, wird philosophisch. «Der derzeitige Medienrummel um CBD und die Entkriminalisierung von Cannabis sorgen nicht nur für Verwirrung. Der Markt ist gerade dabei, Hanf in all seinen Formen zugänglich zu machen. Es gibt auf jeden Fall einen Platz für uns!»

CLAIRE BERBAIN

MEHR INFOS www.alpenpionier.ch

REZEPT
HANF-GRANOLA

  • 100 g ganze Hanfsamen
  • 50 g Roggenflocken
  • 50 g Dinkelflocken
  • 50 g grob gehackte Haselnüsse
  • 50 g getrocknete Kirschen
  • 40 g Sonnenblumenöl
  • 60 g Birne
  • 40 g Wasser
  • 2 g Salz

Samen, Flocken, Haselnüsse und Salz in einer Schüssel mischen. Wasser, Birnenstücke und Öl zum Kochen bringen. Über die Flockenmischung giessen, die Kirschen dazugeben und gut verrühren. Die Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen und im vorgeheizten Backofen bei 200 °C 35 Minuten rösten. Dabei alle 5 bis 10 Minuten umrühren. Das Granola sollte eine goldbraune Färbung annehmen. Da jede Charge anders ist, sollten Sie die Temperatur und die Backzeit anpassen.

© FOTOS SILVANO ZEITER / CLAIRE BERBAIN