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REPORTAGE

Das Fussballstadion hat sich in einen Gemüsegarten verwandelt

 

 

Seit 2017 werden mitten in der Stadt Biel, in einem ehemaligen Fussballstadion, Gemüse und Getreide angebaut. Cyndie Grisel, Besitzerin des Lebensmittelladens Batavia und Bewirtschafterin eines Stücks Land in der ausgemusterten Seeländer Sportinfrastruktur, will Produzenten und Konsumenten einander näherbringen.

Es ist noch nicht einmal acht Uhr, aber die Hitze ist bereits drückend. In ihren Gemüsegartenzeilen hockt Cyndie Grisel inmitten ihrer roten und weissen Radieschen sowie den zahlreichen Zucchini. Diese Szene wäre nichts Außergewöhnliches, wenn sie sich nicht auf dem ehemaligen Rasen des Fussballstadions von Biel (BE) abspielen würde. Tribünen und Flutlichtanlagen zeugen noch immer von der sportlichen Vergangenheit dieses Geländes, auf dem heute Gemüse angebaut wird und das ein Ort des Austauschs und der Entspannung ist. Die beiden Rasen-Tennisplätze, die direkt an Cyndie Grisels Garten grenzen, verstärken den unpassenden Aspekt der Szene. Auf der einen Seite wird der kleine gelbe Ball geschlagen, auf der anderen Seite werden Karotten angebaut.

Im Herzen des ehemaligen Bieler Fussballstadions kümmert sich Cyndie Grisel um ihre Kulturen, darunter Radieschen und zahlreiche Zucchini.

BROT AUS ALTEM GETREIDE

Im Jahr 2017 wurde der Verein Terrain Gurzelen gegründet, um das Stadion vor dem Abriss vorübergehend zu nutzen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Cyndie Grisel und ihr Lebensgefährte Raphaël Jacot gerade den Lebensmittelladen Batavia in der Bieler Altstadt eröffnet, in dem sie vor allem biologische und regionale Produkte verkaufen und damit auf Nähe und Nachhaltigkeit setzen. Daher nutzten sie die Gelegenheit, eine Parzelle von 10 Aren zu pachten, um Getreide und Gemüse anzubauen, das sie direkt in ihrem Geschäft verkaufen. «Wir hatten Lust, die Landwirtschaft in die Stadt zu bringen und Produzenten und Konsumenten einander näherzubringen», erklärt die junge Frau. «Wir sind sehr glücklich, dass wir Gemüse verkaufen, das null Kilometer entfernt ist und das wir sogar mit dem Fahrrad in den Laden bringen können.» Für sie sind die schönsten Produkte in ihrem Laden zweifellos die von der Gurzelen.

«Wir wollten die Landwirtschaft in die Stadt bringen und sind sehr glücklich, dass wir Null-Kilometer-Gemüse verkaufen können.»

Cyndie Grisel und Raphaël Jacot haben beide eine Ausbildung in bildender Kunst absolviert. Als sie ihren Lebensmittelladen eröffneten und sich ins Gärtnern stürzten, mussten sie alles von Grund auf lernen und umgaben sich daher mit Fachleuten, die ihre Philosophie der kurzen Wege und der Nachhaltigkeit teilten. Zu Beginn dieses Abenteuers säte das Paar nur alte Getreidesorten mit dem Ziel, ein spezielles Brot für ihren Laden zu backen. Ihre erste Ernte im Jahr 2018 bestand aus 100 kg Einkorn und Cadi-Roggen. «Sie ermöglichte es uns, ein Jahr lang täglich ein Brot zu verkaufen, das von der Bäckerei Hofmann in Reconvilier gebacken wurde», betont die Lebensmittelhändlerin. Im Laufe der Fruchtfolge pflanzten sie dann Nackthafer und später Kichererbsen an, die sie unter dem Dach der Stadiontribüne trocknen konnten.

Als Cyndie Grisel das Gemüse, das sie in der alten Sportanlage angebaut hatte, verkaufen wollte, wandte sie sich an ihren Nachbarn Georges Waeber, der dort zahlreiche Parzellen bewirtschaftet. Dieser erklärte sich bereit, ihr unter der Bedingung zu helfen, dass er dies auch auf Cyndies Gemüsegarten tun könne. «Wir haben leider keine Zeit mehr, ihn selbst zu bewirtschaften, da unser Lebensmittelgeschäft uns zu 200% auslastet», bedauert Cyndie Grisel. Aber sie weiss, dass er in guten Händen ist.

BIOLOGISCHER, LANGSAMER UND SOZIALER ANBAU

Georges Waeber hat eine Doppelrolle als Landwirt und Sozialarbeiter inne. Er bewirtschaftet sein Land von Hand nach den Grundsätzen der Permakultur und der biodynamischen Landwirtschaft und tut dies zusammen mit Menschen, die aus der Gesellschaft gefallen sind. «Ich hatte Lust, meine beiden Berufe in einem Projekt zu vereinen», erklärt er. Daraus entstand das Projekt «Langsamer». Jeden Tag empfängt Georges Waeber auf dem Feld zwischen 5 und 15 Personen, allesamt Freiwillige, die versuchen, in ihrem Leben oder in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. «In meinem agrosozialen Projekt wird weder Wachstum noch Rentabilität erzwungen. Jeder arbeitet nach seinen Fähigkeiten, und wir produzieren das, was die Erde uns geben will, erläutert er und freut sich, diesen Menschen «eine sinnvolle und gehaltvolle Tätigkeit» anbieten zu können.

ENGE ZUSAMMENARBEIT

Die Ernten werden über die solidarische Landwirtschaft an Restaurants, Institutionen oder Privatpersonen verkauft. «Unsere Kunden wollen bewusst ökologische und soziale Verantwortung übernehmen», fährt er fort und erklärt, dass gerade ein Verein, der ebenfalls «Langsamer» heisse, gegründet wurde, um das Projekt dauerhaft zu sichern.

«Wir erzwingen weder Wachstum noch Rentabilität. Jeder arbeitet nach seinen Fähigkeiten und wir produzieren das, was die Erde uns geben will.»

Cyndie Grisel und Georges Waeber wählen gemeinsam das Gemüse aus, das sie anpflanzen wollen. «Wir hatten zwei Einschränkungen: Einerseits ist der Boden flach und ziemlich karg, andererseits braucht Cyndie Gemüse, das sich ohne Kühlung lagern lässt», erklärt der Gemüsebauer. Daher haben sie sich für Karotten, Zwiebeln und andere Rüben entschieden. «Aber wir suchten auch nach ausgefallenen Sorten», sagt die Gemüsehändlerin mit einem Lächeln. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich rosa Heiderot-Kartoffeln habe. Ich wollte sie unbedingt haben und sie sind bei unseren Kunden, die gerne etwas Besonderes kaufen, sehr beliebt.»

Auf dem Terrain Gurzelen herrscht ein Geist der Familie und der Zusammenarbeit. Jeder kennt jeden und teilt seine Erfahrungen und Ideen. So finden auch die hier hergestellte Spirulina oder die Chili-Kulturen ihren Weg in den Batavia-Laden. Cyndie Grisel freut sich über das neueste Projekt, das im ehemaligen Fussballstadion entstanden ist: die Herstellung von Tofu. «Wenn das klappt, würde ich mich sehr freuen, den ersten Bieler Tofu der Geschichte zu verkaufen!»

MARJORIE SPART

ÜBER 40 PROJEKTE AUF DEM GURZELENFELD

Der ehemalige Fussballplatz ist seit 2017 in den Händen des Vereins Terrain Gurzelen. Zu diesem Zeitpunkt genehmigte die Stadt Biel die vorübergehende Nutzung dieses Ortes im Herzen der Stadt bis zum Bau eines neuen Stadtteils. Seit mehr als fünf Jahren bietet dieses Gelände einen fruchtbaren Boden für alle möglichen sozialen, kulturellen und landwirtschaftlichen Experimente. Es wimmelt nur so von Aktivitäten: Der Rasen hat sich in Felder, Gemüsegärten und Rasen-Tennisplätze verwandelt. Die Produktion von Spirulina und Chilis sowie ein Hühnerstall vervollständigen das Bild. Aus dem Urin, der in den öffentlichen Toiletten gesammelt wird, wird 100 Prozent natürlicher Dünger hergestellt. In den befestigten Teilen der ehemaligen Sportanlage finden verschiedene Workshops, Kunstprojekte und soziokulturelle Projekte statt, wie z. B. ein Bastelatelier für Kinder. Insgesamt wurden dort rund 40 Projekte ins Leben gerufen.

www.terrain-gurzelen.org

© FOTOS GUY PERRENOUD