de Bio Suisse feiert ihr 40-Jahr-Jubiläum. Ein Blick auf die Geschichte des erfolgreichen Labels

EINHEIMISCH GENIESSEN – 2021

IN KÜRZE

Goûts et Terroirs sind wieder Gegenstand einer Ausstellung

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FOKUS

Bio Suisse feiert ihr 40-Jahr-Jubiläum. Ein Blick auf die Geschichte des erfolgreichen Labels

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ADRESSEN

Unser Produzentenverzeichnis

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ADRESSEN

Unser Produzentenverzeichnis

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Unser Produzentenverzeichnis

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FOKUS

EINE KNOSPE, DIE SEIT 40 JAHREN SPRIESST

 

1981 schlossen sich die Biobetriebe zu einem nationalen Verband zusammen, um ihre Vision einer umweltfreundlichen Landwirtschaft zu entwickeln und zu verteidigen. Bio Suisse war geboren, und mit ihr ein Label, das aus den Regalen der Lebensmittelgeschäfte nicht mehr wegzudenken ist.

Eier, Obst und Gemüse, Fleisch, Milchprodukte, Teigwaren, Wein, verarbeitete Produkte ... Alles, was in der Schweiz wächst, geerntet und verarbeitet wird, gibt es heutzutage in einer von Bio Suisse gelabelten Version, erkennbar an einem Logo, das den Konsumentinnen und Konsumenten inzwischen vertraut ist: der berühmten Knospe. Vor vierzig Jahren war es jedoch alles andere als einfach, seinen Einkaufskorb mit Produkten zu füllen, die die Erde und die Natur schonen. Es ist der Entschlossenheit einiger Pionierproduzenten zu verdanken, dass sich das Gesicht der Schweizer Landwirtschaft und die Konsumgewohnheiten so tiefgreifend verändert haben.

 

VON DEN WURZELN ZUR KNOSPE

Natürlich gab es auch schon vor 1981 Biobauern. Viele von ihnen hatten sich in regionalen oder sektorialen Strukturen organisiert, um ihren Marktzugang zu verbessern und ihre Produkte zu schützen. In den 1970er-Jahren beantragten diese Organisationen – darunter FiBL, Biofarm, Demeter und Progana – beim Bundesamt für Gesundheit, den Schutz vor Missbrauch, indem sie ihre Produktion als biologische Lebensmittel deklarieren durften.

«Eine hochrangige Kommission prüfte den Antrag und kam zu dem Schluss, dass der Begriff Bio im Zusammenhang mit Lebensmitteln verboten werden sollte. Das machte uns allen Angst», erinnert sich Werner Scheidegger, ein Berner Pionier der Bewegung. Es war ein Schock, der die Biobauern dazu veranlasste, eine stärkere, formellere Gruppe zu bilden und vor allem Richtlinien für ihr Produktionsmodell zu erarbeiten. Im Jahr 1980 wurde dem Bund ein Pflichtenheft vorgelegt. Dies führte zur Verabschiedung der Verordnung über den ökologischen Landbau... 18 Jahre später. In der Zwischenzeit wurde ein Etikett registriert. Das Logo, die berühmte Knospe, war der Ausgangspunkt für das, was Bio Suisse werden sollte.

«Das waren Idealisten, die sich sehr für eine nachhaltigere Landwirtschaft einsetzten», sagt David Herrmann, Medienbeauftragter der Organisation. Bio Suisse agierte fast wie eine NGO. Jeder Hof «stellte» etwa 50 Familien «um», die ihre Lebensmittel in kleinen Geschäften oder direkt auf dem Hof kauften.

«Bio Suisse wird immer mehr zu einer Gewerkschaft, die gute Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder garantieren will.»

 

David Herrmann, Medienbeauftragter Bio Suisse

DIE GROSSVERTEILER VERFÜHRT

Indem sie einen festen Platz in der schweizerischen Agrarlandschaft einnahmen, sorgten diese Pioniere dafür, dass jene sich weiterentwickelte und ihre traditionellen Praktiken in Frage stellte, oft ohne eine andere Richtschnur als die Erfahrung ihrer Mitglieder – zum Preis von Versuch und Irrtum und einer Innovationsfähigkeit, die auch heute noch eine der Stärken der Bioproduzenten ist.

Von Anfang an hatte der junge Verband auch die Aufgabe, die Vermarktung der ökologischen Produktion zu unterstützen. «Als NGO garantiert sie die Produktion und Verarbeitung gesunder Lebensmittel auf nachhaltige Weise, als Unternehmen verkauft sie Markenrechte an Vertriebs- und Verarbeitungspartner», fasst David Herrmann zusammen. Die eingenommenen Lizenzgebühren werden zur Förderung und Entwicklung der biologischen Landwirtschaft in der Schweiz verwendet. Die Einführung einer Knospe-Lizenz für Verarbeiter und vor allem der Markteintritt der großen Einzelhändler waren wichtige Meilensteine in dieser Entwicklung. 1993 lancierte Coop ihre eigene Marke «Naturaplan» – basierend auf dem Pflichtenheft der Knospe – und 1995 folgte die Migros mit ihren eigenen Standards. «Der Ausbau des Bio-Sortiments ist diesen beiden Giganten zu verdanken», sagt Pascal Olivier, Leiter der französischsprachigen Niederlassung von Bio Suisse. «Und die zunehmende Verfügbarkeit von Bioprodukten im Supermarktbereich setzt sich bei den Hard-Discountern fort, die in diesem Bereich seit einiger Zeit ein starkes Wachstum verzeichnen.»
Logischerweise ermutigte der wachsende Marktanteil des ökologischen Landbaus auch traditionellere Betriebe, den Schritt zu wagen. Im Jahr 1996 stellten nicht weniger als 1500 landwirtschaftliche Betriebe auf die Knospe um (siehe Kasten unter). Damals gab es mehr als 3600 solcher Betriebe, während es bei der Gründung der Bio Suisse weniger als 300 waren.

REGINA FUHRER

SEIT 1994 MITGLIED DES VORSTANDS VON BIO SUISSE UND VON 2001 BIS 2011 PRÄSIDENTIN DES VERBANDS

 

Wie wurden die Biobauern wahrgenommen, als Sie im Amt waren, und was denken Sie, wie sie heute wahrgenommen werden?

Lange Zeit wurden die Biobauern noch als Exoten bezeichnet. Heute werden wir glücklicherweise als vollwertige Landwirte angesehen.

 

Als Bio Suisse gegründet wurde, galt sie als eine Organisation, die sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzt. Heute ist sie eher eine gewerkschaftliche Organisation. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Um bei den Konsumenten glaubwürdig zu bleiben, muss Bio Suisse zeigen, dass ihre Ideale im Mittelpunkt stehen. Die Stärke der Knospe ist, dass der Inhalt des ökologischen Landbaus in demokratischen Diskussionen definiert wird. Bio Suisse muss aber auch die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber dem Handel und den Verarbeitern vertreten.

 

Die Abstimmungen über Pestizide haben gezeigt, dass die Bioproduzenten gespalten sind: Einige waren aus kommerziellen Gründen gegen die Initiativen, die an die Urne kamen. Gibt es jetzt eine Kluft zwischen den Label-Landwirten?

Auch unter dem Knospe-Label gibt es Landwirte, die weiter gehen wollen, und andere, die lieber bei der jetzigen Situation bleiben wollen... Eines ist jedoch klar: Der ökologische Landbau muss sich weiterentwickeln und neue Ideen wie z. B. die Agroforstwirtschaft oder die regenerative Landwirtschaft übernehmen.

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EIN VERBAND DER IDEALISTEN

«Dieser Zuwachs trägt auch dazu bei, dass die Organisation ihre Rolle als Anwältin ihrer Mitglieder festigen kann», sagt David Herrmann: «Heute arbeiten rund 7500 Landwirte nach den Vorgaben der Bio Suisse. Für sie hat die Rolle des Vertriebs und der Verarbeitung stark an Bedeutung gewonnen. Bio Suisse wird damit immer mehr zu einer Gewerkschaft, die gute Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder garantieren will.» Der Bio-Markt ist zwangsläufig komplexer geworden, da er für die wichtigsten Akteure der Lebensmittelkette zu einem wirtschaftlich interessanten Segment geworden ist. Die Frage der Margen von Händlern und Verarbeitern ist für Bio Suisse nach wie vor unangenehm, denn sie betrifft ihre wichtigsten Absatzkanäle. «Ich denke, das ist ein limitierender Faktor bei der Erreichung unseres Ziels, bis 2025 einen Marktanteil von 25% zu erreichen», sagt ein Mitarbeiter des Verbandes, der anonym bleiben möchte.

 

GEWERKSCHAFT VON IDEALISTEN

Die Bio Suisse, die sich in eine NGO, eine Gewerkschaft und ein kommerzielles Unternehmen verwandelt hat, hat ihre idealistische und visionäre DNA nicht verloren. Im Jahr 2008 hat sich der Verband ein neues Leitbild mit dem Namen «Bioland Schweiz» gegeben, das darauf abzielt, die gesamte Schweizer Landwirtschaft nachhaltig und umweltverträglich zu gestalten. In dem Masse, wie das ökologische Modell stärker und sichtbarer geworden ist und seine Position in der Agrarlandschaft (insbesondere durch die Einführung von Direktzahlungen an zertifizierte Betriebe im Jahr 1993) und in den Verkaufsregalen verbessern konnte, hat es zwangsläufig immer mehr Berufsleute angezogen, die eher pragmatisch als idealistisch sind. Das hat manchmal zu Spannungen zwischen diesen beiden Polen geführt, «was wir bei der Abstimmung im Juni 2021 (über die Pestizidinitiative und die Trinkwasser-Initiative) gesehen haben», sagt Balz Strasser, der heutige Geschäftsführer von Bio Suisse. «Aber wir haben immer gesagt, dass Bio Vielfalt bedeutet, auch Meinungsvielfalt. Unser Verband hat immer wieder Diskussionen über seine Ausrichtung geführt, und das müssen wir akzeptieren.»

Dennoch ist der Pionierverein in den vierzig Jahren seines Bestehens fast unfreiwillig zum Vorbild für alle geworden, die grundlegende Veränderungen in unserer Beziehung zur Erde anstreben. «Für viele Menschen verkörpert Bio Suisse all ihre Hoffnungen und Sehnsüchte für eine bessere Welt», sagt David Herrmann. «Umweltziele können jedoch nicht allein erreicht werden. Und Landwirte allein können das Lebensmittelsystem nicht verändern. Auch die Gesellschaft, der Vertrieb, die Verarbeitung und die Gastronomie müssen ihren Teil dazu beitragen und Verantwortung übernehmen. Und der Staat selbst kann diesen Wandel fördern, indem er Nachhaltigkeitsanforderungen definiert.»

 

BLAISE GUIGNARD
FOTOS © DR

EIN PAAR MEILENSTEINE AUF EINER 40-JÄHRIGEN REISE

 

1981

Gründung des Verbands Schweizerischer Bio-Landbau-Organisationen (VSBLO), Eintragung der Marke Knospe.

1983

Verabschiedung der ersten Richtlinien. Der Verband hat 259 Mitglieder.

1992

Der Bund erkennt den ökologischen Landbau als eine zu fördernde Produktionsform an. Erste Verarbeitungsstandards.

 

1993

Einführung von Direktzahlungen für ökologische Betriebe. Coop steigt mit seiner Marke Naturaplan in den Biosektor ein.

 

1995

Auch die Migros beginnt mit Bioprodukten zu arbeiten, mit eigenen Standards.

 

1997

VSBLO wird zu Bio Suisse.

 

1998

Die Schweizerische Verordnung über den biologischen Landbau tritt in Kraft. Die unabhängige Zertifizierungsstelle Bio Inspecta wird gegründet.

 

2001

Regina Fuhrer wird die erste Präsidentin eines Schweizer Landwirtschaftsverbandes. 5576 Betriebe sind mit dem Knospe-Label ausgezeichnet.

 

2002

Der Umsatz mit Knospe-Produkten erreicht 1 Milliarde CHF.

2013

Der Umsatz mit Knospe-Produkten erreicht 2 Milliarden CHF und 7,1 % des Lebensmittelmarktes.

2015

6031 Betriebe sind mit dem Knospe-Label ausgezeichnet.

 

2017

Die Knospe erreicht einen Umsatz von 2,7 Milliarden CHF und einen Marktanteil von 9%.

 

2018

Beträgt der Anteil des Schweizer Biolandbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche 15%.

 

2020

Bio-Boom: 11% des Marktes.

 

2021

7450 Betriebe haben das Knospe-Label.

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