AGROTOURISMUS

IN KÜRZE

Ein Augenmerk auf die Neuheiten im Bereich Agrotourismus

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NACHGEFRAGT

Agrotourismus hat Aufschwung

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BEGEGNUNG

Zu Besuch bei einer Freiburger Bauernfamilie

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DOSSIER

Die Herzroute: Auf 700 Kilometern die Schweiz per E-Bike erkunden

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Auf Mulis Rücken durch den Jura

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Die ideale Kombination: Wandern und Schlafen auf dem Bauernhof

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Wo die Sonne dreifach scheint

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Bei den Schweizer Pferden

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Der Wilde Westen von Luzern

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Wo man einander Du sagt

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Ein Zeuge alter Zeiten

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GENUSS

Die besten Produkte aus dem Wallis

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ADRESSEN

Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Tessin und Graubünden

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Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Ostschweiz und Zürich Region

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Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Luzern – Vierwaldstättersee und Aargau Region

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Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Basel Region und Bern Region

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Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Berner Oberland und Freiburg Region

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Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Jura Dreiseenland und Genf Region

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Für einen erfolgreichen Aufenthalt: Genferseegebiet und Wallis

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NACHGEFRAGT

ALS LEBTE MAN SELBST AUF DEM LAND

 

Ferien auf dem Hof stillt die Sehnsucht der Menschen nach Naturnähe, regionalem Essen und authentischen Begegnungen. Agrotourismus Schweiz macht sich diese Sehnsucht zunutze, vermittelt Gäste an Bauernfamilien. Diese wiederum können sich mit einfallsreichen Angeboten neue Betriebszweige erschliessen.

Noch vor rund 150 Jahren lebte der Grossteil der Menschen auf dem Land. Sie bauten ihre eigene Nahrung an, assen und tranken, was Boden und Stall hergaben. Sie waren nah verbunden mit der Natur, kannten die Kreisläufe der Jahreszeiten und mussten harte körperliche Arbeit leisten, um über die Runden zu kommen.

Heute ist das anders. Viele Menschen sind kaum mehr auf dem Land, kaufen ihr Essen in Supermärkten und verbringen einen Grossteil der Zeit sitzend an einem Bürotisch.

Kein Wunder, kommt da der Wunsch auf, in den Ferien etwas anderes zu erleben. Man will aufs Land, die Ruhe geniessen, einen Sternenhimmel betrachten, den Geruch von Heu und Stroh riechen. Die Kinder sollen sehen, wer eigentlich die Milch gibt, wo Karotten und Äpfel wachsen. Nicht zuletzt will man den Reiz geniessen, Produkte zu essen, die genau dort wachsen und produziert werden, wo man sich aufhält. Zudem regen Diskussionen rund ums Klima und Nachhaltigkeit viele Menschen an, ihre Ferien nicht etwa in der Karibik zu verbringen, sondern in der Schweiz.

AGROTOURISMUS: EIN GEWINN FÜR GÄSTE UND BAUERN

Agrotourismus – also ein Ferien- und Freizeitangebot im ländlich-bäuerlichen Umfeld – deckt alle diese Bedürfnisse. Bei Bauernfamilien in der Schweiz kommt man in den Genuss erholsamer Ferien, die das Klima und die Natur kaum belasten. Zudem erfährt man direkt von den Produzenten, was es alles braucht, damit Kühe Milch geben und Pflanzen und Bäume gedeihen.

Während Menschen aus der Stadt Sehnsucht nach solch authentischen Erfahrungen haben, kämpfen viele Bauernfamilien mit schwierigen Situationen. Der Preis, den sie für ihre Milch oder andere Lebensmittel bekommen, deckt teilweise die Produktionskosten nicht mehr und klimatische Ex-treme wie der Hitzesommer im vergangenen Jahr sorgen für schlechte Erträge.

Bauern sind also vermehrt auf der Suche nach Betriebszweigen, die ihnen unabhängig von Marktpreisen ein gesichertes Einkommen und Befriedigung bringen.

Wie alles begann

 

«Das Interesse von Bauernfamilien, mit Tourismus Geld zu verdienen, hat wohl in den 1970er-Jahren langsam angefangen», sagt Mirjam Hofstetter vom Schweizer Bauernverband (SBV). Ab 1990 koordinierte der SBV und danach die Schweizerische Reisekasse Reka die Vermarktung der Ferienangebote und erstellte erste Buchungsportale, auf denen Feriengäste ihre Aufenthalte bei Bauernfamilien buchen konnten.

Ende 80er- bis Mitte der 90er-Jahre wurden die Vereine «Ferien auf dem Bauernhof», «Schlafen im Stroh» und «Tourisme rurale» gegründet. Die Vereine waren daran interessiert, «Stadt und Land einander näher zu bringen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Imagepflege für die Landwirtschaft zu betreiben.
Mit dem angenehmen Nebeneffekt, das landwirtschaftliche Budget aufzubessern», sagt Susanne Ming, ehemalige Präsidentin des Vereins «Schlafen im Stroh».

Um gemeinsam aufzutreten und an nationaler Bedeutung zu gewinnen, schlossen sich die drei Vereine mit der Unterstützung des Schweizer Bauernverbands 2010 zur Dachorganisation «Agrotourismus Schweiz» zusammen. Das taten sie nicht zuletzt, weil das Bundesamt für Landwirtschaft einwilligte, im Rahmen der Absatzförderung Förderbeiträge an die Organisation zu bezahlen, wenn sie als eine nationale Dachorganisation auftrat und gegenüber den Anbietern und Gästen entsprechende Leistungen erbrachte. Seit da unterstützt das Bundesamt für Landwirtschaft den Verein, obwohl «Ferien auf dem Bauernhof» mittlerweile wieder eigenständig ist.

Der Wunsch der Städter nach Ferien auf dem Land kommt ihnen da entgegen.

Heute zählt der Verein Agrotourismus Schweiz 250 Bauernfamilien zu seinen Mitgliedern. Dadurch kommen ganz verschiedene Angebote zusammen. Da gibt es beispielsweise die Möglichkeit, im Stroh zu schlafen. «Dieses Angebot ist ursprünglich im Jura entstanden, wo Reiter auf der Durchreise bei ihren Pferden schlafen wollten», erklärt Ming. Heute wird es laut An-dreas Allenspach, Geschäftsführer von Agrotourismus Schweiz, eher von Schulklassen und Vereinen genutzt. «Aber auch von Pilgern und Velofahrern, die auf längeren Touren eine günstige Übernachtungsgelegenheit suchen.»

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Andere Bauernfamilien haben ganze Wohnungen oder Häuser zu Ferienunterkünften umgewandelt. Sie sind zum Teil in Skigebieten, in Wanderregionen oder an Velorouten. Einige Unterkünfte werden deshalb das ganze Jahr über wochen- oder tageweise vermietet, andere nur in der passenden Saison.

Viele Bäuerinnen und Bauern bieten den Gästen ein Frühstück aus selbstgemachten, hofeigenen und regionalen Produkten an, zum Teil kann man auch ein Mittag- oder Abendessen buchen. Besonders findige Bauern haben ihr altes Bienenhaus zu einem romantischen Heubett für zwei umgebaut, andere bieten Übernachtungen im Baumhaus, Zirkuswagen oder Riesenfass an.

Viele haben kleinere Hoftiere wie Ziegen, Schafe oder Kaninchen, «die gerade kleinen Kindern gefallen», wie Allenspach sagt. Andere halten Pferde, Ponys oder Maultiere. Diese Angebote sind laut Allenspach besonders bei Mädchen beliebt.

«Immer mehr wünschen sich die Gäste auch, mitzuarbeiten», so der Geschäftsführer. Rund die Hälfte der Bauernfamilien von Agrotourismus Schweiz bietet deshalb diese Möglichkeit. Kinder und Erwachsene können die Bauern bei der täglichen Arbeit unterstützen. Aber auch die andere Hälfte gibt bereitwillig Einblick in ihren Alltag. Sie öffnen den Stall für die Gäste, zeigen den Kindern, wo die Milch herkommt, erklären, wo das Futter für die Tiere wächst und was es alles zu tun gibt, bis Getreide geerntet werden kann.

interview mit Andreas Allenspach,

GESCHÄFTSFÜHRER AGROTOURISMUS SCHWEIZ

 

Warum sollten Feriengäste ihre Freizeit auf Bauernhöfen verbringen?

Andreas Allenspach: Gerade für Familien mit Kindern ist das Angebot sehr bereichernd. Für viele ist es ein bleibendes Erlebnis, wenn sie morgens mit dem Bauern aufstehen können, im Stall beim Misten helfen und danach ein reichhaltiges Frühstück mit der eben gemolkenen Milch geniessen können. In einigen Fällen können Eltern ihre Kinder sogar in der Obhut der Bauernfamilien lassen und etwas Zeit für sich geniessen.

 

Warum sollten Gäste ihre Ferien über Agrotourismus Schweiz buchen?

Wir verleihen unseren Anbietern ein Qualitätsgütesiegel, das zwei Jahre gültig ist. Wenn bei uns Rückmeldungen von unzufriedenen Gästen eingehen, besuchen wir die Bauernfamilien und suchen gemeinsam nach Lösungen. Kundinnen und Kunden können bei uns sicher sein, dass unsere Anbieterfamilie hohe Qualitätsstandards erfüllen.

 

Welches sind die laufenden Projekte von Agrotourismus Schweiz

Wir haben eine Arbeitsgruppe zum Thema Raumplanung gegründet. Die Gesetze werden von Kanton zu Kanton unterschiedlich interpretiert, und je nach Umständen wird den Anbietern nicht erlaubt z. B. neue sanitäre Anlagen oder einen Kinderspielplatz für die Gäste zu bauen. Auch die gesetzlichen Bestimmungen zur Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG II) geben den Anbietern zu denken, etwa die sogenannte Beseitigungsauflage. Die Arbeitsgruppe hat deshalb eine Umfrage bei den Anbietern durchgeführt und erarbeitet nun ein Argumentarium, das sie dem Parlament vorliegen will, wenn es das Raumplanungsgesetz II behandelt.

www.myfarm.ch

VIELFÄLTIGES ANGEBOT

Unter Agrotourismus sind aber nicht nur Übernachtungen auf dem Hof zu verstehen. Einige Anbieter führen eine Besenbeiz oder Gastronomiebetriebe. Sie heissen Gäste zum Beispiel auf einer Alp willkommen und tischen den dort produzierten Käse auf, andere bieten Brunches und Abendessen aus hofeigenen und regionalen Produkten an. Weinbauern stellen an Degustationen ihre Erzeugnisse vor. Dann gibt es Bauernfamilien, die Räume vermieten. Oder sie organisieren Firmenanlässe, Schnitzeljagden, Kindergeburtstage und Jubiläen.

Das macht der Verein Agrotourismus Schweiz

Alle agrotouristischen Angebote in der Schweiz sind auf der Website von Agrotourismus Schweiz und Schweiz Tourismus aufgeführt. Die 250 Mitglieder des Vereins sind über verschiedene Buchungsplattformen für Ferienwohnungen, Zimmer und Gruppenunterkünfte auffindbar. Interessierte können direkt dort ihre Ferien buchen.

Agrotourismus Schweiz übernimmt die Kommunikation und das Marketing für alle seine Mitglieder. «Wir arbeiten mit grossen Schweizer Tourismusorganisationen, dem Detailhandel, Banken und Zeitschriften zusammen.» Zudem sind sie an Messen und Veranstaltungen präsent und zeigen sich und ihr Angebot in den Medien. «Wir sind bemüht, die Bekanntheit von Agrotourismus in der Bevölkerung zu steigern», sagt Allenspach. So soll es zu immer mehr authentischem Austausch zwischen Land- und Stadtbevölkerung kommen und allen Beteiligten bereichernde Erlebnisse bescheren.

Fast alle Anbieterfamilien von Agrotourismus Schweiz sind aktive Bauern oder Bäuerinnen. Der Verein ist daran interessiert, Ferien auf Bauernhöfen anzubieten und nicht lediglich Ferien auf dem Land. Nicht zuletzt, weil es bei allen Angeboten auch um Begegnungen gehen soll: «Bauernfamilien, die ein agrotouristisches Angebot haben, sind in der Regel sehr interessiert am zwischenmenschlichen Kontakt. Sie erklären gern, was sie machen, und tragen die Bedeutung der Landwirtschaft nach aussen»; sagt Allenspach. Für einige Bauernfamilien, die auf dem Hof sehr eingespannt sind und nicht viel zum Reisen kommen, sei es auch eine Gelegenheit, Menschen aus verschiedenen Regionen und zum Teil sogar aus fremden Ländern kennenzulernen. Die Gäste wiederum seien meist ebenfalls interessiert am Leben in der Landwirtschaft und empfinden gerade den Austausch mit den Bäuerinnen und Bauern als authentisch und bereichernd.

Julia Spahr

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